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Nordinsel
Es ist Februar, und unser diesjähriger Sommerurlaub ist angebrochen. Die Landschaft ist tiefverschneit, und das Außenthermometer zeigt minus
zweiundfünfzig Grad Celsius. Wie das geht? Ganz einfach, wir sind auf dem Weg nach Neuseeland, ans andere Ende der Welt. Noch nie sind wir so weit geflogen, um eine Radtour zu unternehmen. Und jetzt ist es fast
soweit. Der Landeanflug steht kurz bevor, und die Aufregung steigt. Dabei ist bis jetzt alles prima gelaufen. Vor fast 30 Stunden sind unsere Räder im Frankfurter Flughafen am Schalter der Lufthansa von einem
Angestellten persönlich abgeholt worden. Mit dem restlichen Gepäck, das wir in zwei leichten Seesäcken verstauten, gab es dann keine Probleme mehr. Auch die befürchteten Sitzschwierigkeiten sind bis jetzt
ausgeblieben, und sogar die Langeweile hielt sich in Grenzen. Guter Service, neue Kinofilme, mehrere leckere Mahlzeiten und Zwischenlandungen in Los Angeles und Honolulu sorgten dafür. Zwischendurch war
immer wieder Zeit für ein Nickerchen, so dass wir nun einigermaßen ausgeruht auf die Landung warten. Gerade gibt der Pilot über Lautsprecher die Wetterdaten durch: Zwanzig Grad Celsius und Nieselregen. Das
fängt ja schon gut an! Kurze Zeit später nehmen wir am Sondergepäckschalter neben dem Kofferband die Räder wieder in Empfang. Vor dem Flughafengebäude montieren wir wegen des Nieselregens unter einem
Vordach die Pedale, stellen den Lenker gerade und verteilen die Gepäcktaschen auf die Räder.
Und dann geht es endlich los! Unser Radtraum in Aotearoa, dem Land der langen weißen Wolke, wie es die Maoris nennen, kann beginnen. Aber halt!
Schon sind wir auf der falschen Straßenseite gelandet. An den ungewohnten Linksverkehr im britisch geprägten Neuseeland muss man sich erst einmal gewöhnen. Besonders auf Kreuzungen und an Abzweigungen muss
man sich am Anfang der Reise förmlich auf die "falsche" Seite zwingen. Besonders gilt das bei schwachem Verkehrsaufkommen, wenn die anderen Verkehrsteilnehmer durch ihre Anwesenheit nicht dauernd
zeigen, wie es richtig ist.
Am späten Nachmittag erreichen wir hundemüde einen kleinen Zeltplatz am Meer. Fast nicken wir schon beim Ausziehen der Kleidung ein. Der
befürchtete Jetlag durch zwölf Stunden Zeitverschiebung und der lange Flug fordern nun ihren Tribut. Der tiefe Schlaf entlässt uns erst wieder am Vormittag des nächsten Morgens. Glücklicherweise hat es
aufgehört zu regnen, und wir versuchen, uns vor dem Zelt ein bescheidenes Frühstück zu bereiten. Das Zischen des Gaskochers lässt auf einen heißen Kaffee hoffen, als wir erstaunt gefragt werden, ob es uns
in der Küche nicht gefällt. Schließlich bekommen wir heraus dass dieser Campground eine komplett eingerichtete Küche mit mehreren Tischen besitzt. Sofort wird der Umzug ins Warme beschlossen. Begeistert
stecken wir das weiche Weißbrot in den Toaster, während auf dem Herd die Spiegeleier bruzzeln. Doch das ist noch längst nicht alles, was an Ausstattung bereitsteht: Backofen, Mikrowelle und Kühlschrank sind
auch noch da! In den nächsten Wochen erkennen wir, dass diese Ausstattung auf den hiesigen Campingplätzen die Regel und keinesfalls eine seltene Ausnahme darstellt. Damit kommt dieses Land in
außerordentlicher Weise den nur mit dem Notwendigsten ausgestatteten Radlern und Trampern entgegen. Nicht nur dass unsere Gasvorräte auf diese Weise geschont werden. Auch bieten diese großen Küchen einen
angenehmen Schlupfwinkel, der zugleich allabendlicher Treffpunkt Gleichgesinnter ist. Gut gestärkt geht es weiter auf den oft schnurgeraden Straßen an der Küste entlang. In der Ferne ist bereits das nächste
Ziel, die Coromandel-Halbinsel, zu sehen. An einer Tankstelle machen wir eine kurze Rast und probieren das erste Eis in Neuseeland. Sofort wird klar, warum jeder Neuseeländer statistisch gesehen viele Kilogramm
Eis im Jahr zu sich nimmt. Bei dem tollen Geschmack, den vielen angebotenen Sorten und den spottbilligen Preisen hierfür, fällt jedes mal die Auswahl wieder schwer und das Eis viel zu groß aus. Mein absoluter
Favorit heißt Goody-Goody-Gumdrops, schmeckt nach Kaugummi und hat außerdem noch kleine klebrige Weingummis eingemischt. Marion dagegen hat das Karameleis Hoky-Poky auf den ersten Platz ihrer Beliebtheitsskala
gesetzt, das sie mindestens einmal pro Tag zu sich nehmen muss.
Erst am Nachmittag ist Thames auf Coromandel erreicht. Der saubere Ort hat einen starken Wildwest-Charakter und besteht in der Hauptsache aus
einer langen Ladenstraße mit unzähligen betagten Autos vor den Geschäften. Die Gehwege sind fast durchgängig von den typischen Vordächern der Geschäfte, Restaurants oder Banken überspannt. Es herrscht ein
geschäftiges Treiben, während wir die Räder neugierig an den Auslagen vorbeischieben. Direkt hinter den Häusern beginnt schon der Urwald und scheint dabei geradewohl in die Stadt hinein zu wachsen. Sonst
gibt es hier nicht all zuviel zu sehen. Genauso schnell wie hereingekommen ist man auch schon wieder am Ortsausgang. Jetzt beginnt die Landschaft, sich von der erwarteten Seite zu zeigen. Weiter auf der direkt
am Wasser verlaufenden Küstenstraße fahrend taucht man langsam in eine stark bewachsene Hügellandschaft ein. Dicht und grün überwuchert zieht uns die Pflanzenwelt in ihren Bann. Viele uns fremde Bäume
strahlen einen Hauch von Exotik aus. Immer wieder ist alles über und über mit großen lila Blütenteppichen bedeckt. Trotz des Wochenendes ist es regelrecht einsam hier, nur in den Wäldern herrscht ein
Höllenlärm. Ein Konzert nie gehörter akustischer Eindrücke ergießt sich über uns. Wir halten an, um vielleicht den einen oder anderen Solisten im Blattwerk ausmachen zu können. Es muss vor pfeifenden,
zischenden und zirpenden Tieren nur so wimmeln, aber zu Gesicht bekommen wir kein einziges Exemplar. Doch, einige Tiere kann man sehen. Die sind aber stumm, schwarz, klein und beißen schmerzhaft zu: Sandflies.
Obgleich jeder Reiseführer diese kleinen Plagegeister als Kampfmücken beschreibt, die überall in Truppenstärke auftreten, bleiben wir zunächst von den stark juckenden Stichen weitgehend verschont. Nur an
ganz wenigen Orten muss die chemische Keule "Dimp" zur Gegenwehr eingesetzt werden, da die aus deutschen Landen mitgebrachten Mittel hier absolut wirkungslos erscheinen. Auf jeden Fall sollte man sich
aber vor dem ersten Gebrauch in aller Ruhe den rückseitigen Dosenaufdruck zu Gemüte führen. Spätestens bei den Warnhinweisen muss jeder mit sich selbst abklären, ob er die Chemie auf der Haut den vielen
Stichen vorzieht. Wir verzichteten kurzerhand auf das Lesen des Etiketts und wurden dafür mit verätzten Kunststoffgläsern unserer Armbanduhren bestraft. Aber auch auf Lacke sollte das Mittel auf gar keinen
Fall gelangen...
Hinter dem bald auftauchenden Ort Coromandel wird unser frühes Lob über die hervorragenden Straßen arg bestraft. Eine steile, oft seitlich
abfallende Piste ist mit losem Schotter gedeckt und führt durch den dschungelähnlichen Wald auf die andere Seite der Peninsula nach Kuoatunu. Im Vergleich zu den bisher recht geruhsam auf relativ flachem
Terrain zurückgelegten Kilometern hält uns dieser Pass außer Atem, bis sein Scheitelpunkt mit nur 350 Höhenmetern erreicht wird. Zu den schwierigen Straßenverhältnissen kommt noch der Umstand zum Tragen,
dass wir jetzt, Mitte Februar, ohne jegliche Trainingseinheiten die lange Reise antreten mussten. Trotz der eher mäßigen Höhendifferenz sind wir daher völlig erschlagen. Dauernd rutschen die Hinterräder
weg, und oft ist es so steil, dass ein Anfahren auf dem losen Untergrund unmöglich wird. Die um uns herum wuchernde grüne Hölle entschädigt aber mehr als genug für die unerwartete Strapaze. Die Vegetation
scheint sich selbst beim Wachsen zu behindern, so dicht ist alles. Der absolute Blickfang ist aber der hier massenhaft vorkommende Farn, der an einigen Stellen alles andere in den Hintergrund zu drängen
scheint. Nie zuvor konnten wir derartig große Exemplare bestaunen. In Baumgröße wachsen sie an den Berghängen und verleihen der Natur einen überaus exotischen Charakter. Seit Stunden fahren wir nun alleine
und saugen ohne Ablenkung die fremden Eindrücke in uns auf. Kein Fahrzeug stört uns in dieser einsamen Bergwelt. überglücklich und müde erreichen wir das heutige Tagesziel. Der Abend vergeht bei der
unplanmäßig vorgezogen Radpflege. Die mit einer dicken Staubschicht überzogenen Räder haben eine Grobsäuberung verdient und die Kette ein paar Tropfen Öl dringend nötig.
Für heute haben wir uns den Hot Water Beach als Höhepunkt des Tages vorgenommen. Die Küste begeistert uns auch weiterhin, was schon leichte
Euphorie in uns ausläst. Wenn das so weitergeht, werden alle Erwartungen an die Nordinsel von Neuseeland reichlich übertroffen. In Whitianga wollen wir als Abkürzung eine bequeme Alternative zur Straße
nutzen und uns von einer Fähre zum gegenüberliegenden Ufer der wunderschönen Bucht bringen lassen. Doch so einfach, wie wir es uns vorgestellt haben, ist das Besteigen des Schiffes doch nicht. Nur für den
Personentransport gebaut, ergeben sich erhebliche Probleme, um auf das Deck zu gelangen. Da keine Öffnung in der Bordwand vorhanden ist, müssen wir die schweren Räder über die Reling hieven. Dank vieler
hilfreicher Hände ist es aber doch schnell geschafft, und wir tuckern bald gemütlich ans andere Ufer der Bucht.
Ein großes Menschenaufkommen empfängt uns dann am Hot Water Beach, dem Strand der heißen Quellen. Hier lassen wir die Räder aber nicht
unbeaufsichtigt stehen! Da ich wieder einmal das kürzere Stöckchen gezogen habe, bleibe ich zunächst bei den Rädern zurück, als Marion sich zum Strand aufmacht. Während ich auf ihre Rückkehr warte, bleibt
genügend Zeit, um die vorbeikommenden Menschen zu beobachten. Erstaunt muss ich feststellen, dass die Mehrzahl der vorübergehenden Leute aus unserer Heimat kommt. Natürlich bin ich mit den zwei schwer
bepackten Rädern neben mir nicht lange ohne Unterhaltung. Fast jeder meint, im Vorübergehen einen komischen Kommentar abgeben zu müssen, und glaubt, dass ich ihn nicht verstehen würde. Doch einige sind
wirklich interessiert, wohin unsere Reise noch führen mag, und sprechen mich darauf an. So ist die Zeit auch schnell verstrichen, bis Marion wieder zurück ist. Aufgrund ihrer Beschreibung begebe auch ich mich
zu diesem seltenen Naturschauspiel. Schon von weitem sieht man die Leute bis an die Knie versunken am Strand stehen. Beim Näherkommen entdeckt man, das sie in kleinen Löchern stehen, die sich nach dem
Ausgraben des Sandes sofort mit heißem Wasser füllen. Einigen ist es viel zu heiß. Ein Eimer kaltes Meerwasser bringt die Temperatur aber schnell auf erträgliche Werte. Es ist faszinierend, hier mit den
Füßen direkt am Meer in heißen Quellen stehen zu können. Eindrucksvoller als am eigenen Körper kann man die neuseeländische Geothermik wohl nicht erfahren.
Die lange Küste wird im Anschluss an die geschützte Bucht von starker Brandung heimgesucht. Diese lässt das Baden leider zum gefährlichen
Pokerspiel werden. Für viele ist das jedoch die ideale Voraussetzung, um sich mit bunten Surfboards die Zeit beim Wellenreiten zu vertreiben. Die Brandung erreicht zwar nicht die aus Hawaii bekannten
Superhöhen, doch für längere Balanceakte reicht es allemal.
Mittlerweile ist das Wetter zu hochsommerähnlichen Temperaturen übergegangen, und die Sonne scheint gnadenlos von einem klaren, stahlblauen
Himmel. Trotz der vielen Warnungen im Radio und in den Zeitungen haben wir uns heute zu spät und nicht gut genug mit Schutzcreme eingerieben. Die angegebene burntime beträgt zur Zeit ungefähr sechzehn
Minuten. Das bedeutet, dass die ungeschützte Haut nach dieser Zeitdauer von den harten Sonnenstrahlen geschädigt wird. Obwohl wir ein mitgebrachtes Mittel mit Schutzfaktor 16 angewendet haben, sind wir ganz
schön verbrannt. Sogar die Schultern sind durch die T-Shirts hindurch sichtbar gerötet worden! Es ist durchaus angebracht, die höchsten in Neuseeland erhältlichen Schutzfaktoren 28 oder gar 45 aufzutragen,
denn die ultraviolette Strahlung nimmt eine erhebliche Intensität an. Zum Sonnenbrand trägt dabei gewiss auch die glasklare Luft bei. Das aber beschert uns einen überaus erfreulichen Nebeneffekt: An den
meisten Tagen herrscht eine unglaubliche Fernsicht, soweit das Auge reicht.
Baumgroße Hecken begrenzen plötzlich die Straße. Wir sind neugierig geworden und nutzen eine kleine Lücke im dichten Geäst, um einen kurzen
Blick hinter die Kulissen zu werfen. Zu unserer Überraschung stehen dort in Reih und Glied üppige Obstbäume, die im Windschatten der Hecken einigermaßen geschützt die schönsten Früchte hervorbringen.
Obwohl wir uns nicht gut dabei fühlen, können wir es nicht lassen, die dort drüben hängenden Nashis zu probieren. Diese saftige Frucht sieht aus wie eine Kreuzung aus Birne und Apfel und ist mittlerweile zu
unserem Lieblingsobst geworden. Mit schlechtem Gewissen, aber vollem Bauch, steigen wir wieder auf unsere Drahtesel. In den nächsten Stunden sind die Plantagen unser ständiger Begleiter. Natürlich mopsen wir
auch noch ein paar riesige Kiwifrüchte, die neben der Straße an niedrigen Sträuchern wachsen. Etwas später erreichen wir bei Te Puke das Ausflugsziel "Kiwi Fruit Country". Schon am Eingang der
großen Plantage empfängt uns eine Aussichtsterrasse in Form einer riesigen Kiwischeibe. Von oben gewinnt man einen ausgezeichneten Überblick über das Gelände. Direkt nebenan liegt der Kiwi-Souvenirshop.
Hier wird der Kult um die süße, stachelbeerähnliche Frucht auf die Spitze getrieben. Angefangen von Kleidung, Schmuck, über Wein und Likör hat alles den Aufdruck oder Geschmack des haarigen Obstes. Nur bei
der Kiwiseife sind wir nicht sicher, ob sie nun gut duften oder schmecken soll. Wieder draußen angelangt bietet sich noch die einmalige Gelegenheit, in stilisierten Kiwiwagen zu einer Besichtigungstour durch
die Plantage zu starten. Wir verzichten leichten Herzens darauf, auch auf die Gefahr hin, eine bleibende Bildungslücke zu riskieren.
Das schöne Wetter hat sich noch nicht geändert, als wir in Rotorua eintreffen. Geothermische Aktivität beherrscht das ganze Stadtgebiet und
die weitere Umgebung. Sogar auf dem Campingplatz blubst und blubbert es an mehreren Stellen. Warmer Schwefelgeruch weht uns ins Zelt und um die Nase. Auf dem Weg zum touristischen Höhepunkt der Stadt kommen wir
zwangsläufig an einem mitten im Thermalgebiet liegenden Golfplatz vorbei. Dampf tritt überall unter leisem Zischen aus Spalten und Löchern. Direkt daneben versuchen einige gut gekleidete alte Herrschaften die
kleine weiße Kugel fachgerecht, unter voller Konzentration einzuputten. Wie viele Bälle mögen hier wohl schon in der Erde verschwunden sein?
Whakarewarewa heißt unaussprechlich das Gebiet mit der größten Konzentration an heißen Schlammlöchern und zischenden Fumarolen. Auch ein
Geysir soll hier sein heißes Wasser regelmäßig in die Höhe pusten. Der Parkplatzaufsicht vor dem Gelände vertrauen wir für die nächsten Stunden die Räder an. Als Gegenleistung müssen wir ihnen unsere
Tour durch Neuseeland beschreiben. Mit dem unterdessen schon oft gehörten Satz "That`s the only way to see New Zealand" werden wir entlassen. Kunstvolle, feuerrote Schnitzereien empfangen den Besucher
am Eingang. Jeder muss sich durch ein niedriges Holztor in das abgegrenzte Areal begeben. Leiernde Volksmusik der Maoris berieselt einen jeden im Bereich der Kasse. Die Melodien klingen nach Südsee und wecken
wieder das Bewusstsein dass man sich ja auch fast genau dort befindet. Langsam schlendern wir auf gepflegten Wegen durch das große Areal an unzähligen Öffnungen in der dünnen Erdkruste vorbei. Dabei können
wir die unterschiedlichsten Zeugnisse der Geothermik beobachten. Dicker dunkelgrauer Schlamm wabbert in großen und kleinen Kratern. Unablässig hebt sich die schmutzige Oberfläche, um eine Blase nach der
anderen zu bilden, die kurz darauf mit einem trockenen "Plöpp" wieder zerplatzt. Dicke Schlammspritzer fliegen daraufhin in großem Bogen hoch. Entweder überziehen sie den näheren Bereich mit einer
breiigen Schicht, oder sie fallen platschend wieder in die bewegte Masse zurück. Manche dieser Mudpools sind schon ausgetrocknet und fristen ein traurig anzuschauendes Dasein. Nebenan strömt aus den Rissen im
Felsgestein zischend heißer Dampf aus. Gelber elementarer Schwefel hat sich deutlich sichtbar daneben auf der Oberfläche einer Fumarole abgesetzt, was ein wenig Farbe in diese Waschküchenszenerie zaubert. Das
ganze Gebiet ist dicht bewachsen, und die überall aufsteigenden Dampffahnen erzeugen ein geradezu unwirkliches Bild.
Erwartungsvoll nähern wir uns einem weiteren Höhepunkt, dem Pohutu Geysir. Wann wird er wieder ausbrechen? Ein wenig eilig laufen wir zu dem
sicheren Aussichtspunkt und warten mit schussbereiter Kamera auf das, was jetzt wohl kommen mag. Plötzlich bekommen wir dann die Urgewalt der Erde zu spüren. Mit lautem Fauchen entlädt sich der Druck und
schleudert Unmengen Dampf und heißes Wasser tosend in den Himmel hinauf. Eine kleine Seniorengruppe hat es nicht mehr rechtzeitig bis zum Aussichtspunkt geschafft. Das wieder herunterfallende Wasser durchnässt
ihre Kleidung, während sie sich fluchtartig entfernen. Vor lauter Schadenfreude und Gafferei habe ich doch glatt vergessen, den faszinierenden Augenblick des Ausbruches auf Celluloid zu bannen. Doch der Geysir
lässt nicht lange auf den nächsten Ausbruch warten. Regelmäßig, ein bis zweimal pro Stunde, erfreut er die Zuschauer mit seiner spektakulären Show, um dann natürlich wieder einige ahnungslose Besucher zu
durchnässen. Im weiteren Verlauf des Tages haben wir noch die Möglichkeit, in diversen Gebäuden die frühere Lebensart der Maoris kennen zu lernen. Besonders von den langen schmalen Booten sind wir sehr
angetan. Man glaubt es kaum, dass diese einmal ein seetüchtiges Fortbewegungsmittel waren, als der weiße Mann noch nicht im Lande war.
Die Straßenkarte zeigt nur wenige Kilometer weiter mit Waimangu die nächste "heiße" Attraktion an. Während in Whakarewarewa
kleinere Quellen, Schlammpools und Unmengen von Touristen das Bild beherrschen, ist es hier wohltuend ruhig. Ein langer Wanderpfad hindert uns am weiterfahren. Also lassen wir kurzerhand die Räder am
Parkrestaurant stehen und begeben uns auf Schusters Rappen hinunter zu den großen dampfenden Seen und Bächen, die in den Farben der verschiedensten Algenarten leuchten. Wie still es hier doch ist, denke ich
gerade. Völlig unerwartet donnert in diesem Augenblick ein uralter Bus an uns vorbei. Einige der Insassen erkennen wir wieder, da sie mit uns aufgebrochen waren. Das ist natürlich auch eine Art, dem müden
Wanderer den steilen Rückweg zu ersparen. Auch wir erliegen etwas später der Versuchung und lassen die halsbrecherische Fahrt in diesem Ungetüm über uns ergehen.
Langsam fallend führt die Straße nun direkt auf den Lake Taupo zu. Ein fantastisches Panorama tut sich da vor uns auf: Über dem tintenblauen
Wasser des Sees erhebt sich majestätisch das mächtige Vulkangebirge des Tongariro-Nationalparks mit seinen schneeweißen Bergkuppen. Die Straße leitet uns direkt am See entlang. Der breite Rasenstreifen neben
der Straße animiert uns, vor diesem herrlichen Panorama Rast zu machen. Natürlich können wir das Tagesangebot des direkt nebenan liegenden Pizzarestaurants nicht ablehnen. Ich flitze hinüber und halte kurz
darauf zwei große Pappschachteln mit unwiderstehlich duftendem Inhalt in den Händen. Mit dauerndem Blickkontakt zu den Lavabergen vertilgen wir die Kalorienration für die nächsten zwei Tage. Mit dicken
Bäuchen quälen wir uns faul wieder auf die Räder. Hier müsste man jetzt sein Zelt aufstellen dürfen! Ein paar Kilometer weiter führt die Desert Road mit ständig wechselnden Aussichten direkt an dem
spektakulären Gebirge vorbei. Sind die beiden Berge Mt. Tongariro und Mt. Ngauruhoe auf den ersten Blick vom Laien nicht als Vulkan zu erkennen, entschädigt doch der unaussprechliche Mt. Ruapehu mit der
typischen Kegelform. Dunkel und geheimnisvoll ragt er neben der kurvenreichen und hügeligen Straße in den blauen Himmel, und tiefe Furchen ziehen sich vom Kraterrand bis hin zu seinem Fuße. Es ist brütend
heiß, kleine Teerbläschen platzen unter dem Druck unserer Reifen, und mitgeschleppte klebende Splittsteinchen rasseln durch die Schutzbleche. Schweißnass kämpfen wir uns den über 1000 Meter hohen Pass
hinauf. Wenn keines der seltenen Autos in der Nähe ist, härt man nur ein leises Surren der Ketten. Ansonsten ist es totenstill. Lange dauert die Fahrt durch die nun wüstenartige trockene Steppe. Links und
rechts des Weges ist außer einigen trockenen Grasbüscheln nur noch Sand und Schotter zu sehen. Nichts deutet auf irgendwelche Lebewesen in diesem Gebiet hin. Welch ein Kontrast tut sich hier gegenüber der
vergangenen "grünen Woche" auf.
Waiourou ist die nächste Ansiedlung, und auch die Überlandbusse haben dort einen Haltepunkt. Es ist bereits spät am Nachmittag, und
kurzentschlossen nutzen wir die Gelegenheit, um uns während der Nacht nach Wellington bringen zu lassen. Der Entschluss fällt insofern leicht, da fast alle Radler, die wir bisher gesprochen hatten, von der vor
uns liegenden langweiligen und verkehrsreichen Strecke abgeraten haben. Nachdem die Pedale abgebaut und im Gepäck verstaut sind, der Lenker schräg steht und die Kette mit Zeitungspapier provisorisch abgedeckt
ist, steht einer Mitnahme im Bus nichts mehr im Wege. Ein spezieller Gepäckraum am Heck des Busses nimmt die Packtaschen und beide Räder auf. An den Vorderrädern an das Busdach gehängt, warten sie nun
zwischen Päckchen und Kisten darauf, wieder rollen zu dürfen. Für diesen Service berechnet der Busfahrer lediglich zehn Dollar.
Südinsel
Durchgeschüttelt und mit steifen Gelenken erreichen wir am nächsten Morgen die Hauptstadt Neuseelands. Natürlich macht diese bei unserem
Eintreffen ihrem schlechten Ruf als Schlechtwetterloch alle Ehre: Starker Wind und Regen begleiten uns auf dem kurzen Weg vom Busbahnhof zur Fähre. Einige Gleichgesinnte kommen gerade aus der Gegenrichtung mit
unserem Schiff an. Nach einigen flüchtigen Worten fahren wir über eine stählerne Rampe in den dunklen Schlund der Autofähre. Unter Deck müssen die Räder mit Spanngurten verzurrt werden. Naturgemäß dauert
das seine Zeit, und so sind wir auch nicht überrascht, dass auf dem überfüllten Schiff kein Fensterplatz mehr zu ergattern ist. So dicht gedrängt halten wir es nicht lange bei der unglaublichen
Geräuschkulisse und der schlechten Luft unter Deck aus. Die Nässe auf Deck stellt sich schnell als das kleinere Übel dar. Doch während der Überfahrt zur Südinsel reißt der Himmel auf, und beim Anlegen in
Picton scheint die gleißende Sonne wieder von einem fast wolkenlosen Himmel. So lassen wir uns das gefallen. Tiefblau bis blaugrün schimmert das glasklare Wasser in diesem weit verzweigten Fjordgebiet. Vom
einsamen Queen Charlotte Drive aus sind weite Blicke auf das grüne Küstenparadies die Regel. Dicht bewachsene Landzungen ragen weit in die Tasman See hinein. Wäre da nicht die exotische Vegetation,
könnten aufgrund der fjordartigen Küstenlinie leicht südskandinavische Erinnerungen geweckt werden. Im Rausch der Sinne bemerken wir erst gar nicht dass sich eine dunkle Wolkenfront hinter uns aufgebaut hat.
Diesmal erwischt es uns zum erstenmal richtig. Strömender Regen und starke Böen lassen die Etappe durch die Berge nach Nelson zur Qual werden. Die Kleidung klebt am Körper, und unsere Schuhe laufen gleich
über. Da es noch sehr warm ist, ziehen wir so viel Kleidung wie möglich aus und kämpfen unverdrossen gegen die Wassermassen an. In Havelock müssen wir fürs erste ins Trockene. Ein kleines Cafe bietet uns
Schutz, bis der Regen eine kleine Pause einlegt. Wir nutzen die Zeit, um bei Kaffee und leckeren Sandwiches unsere vernachlässigten Urlaubsgrüße in passende Texte zu fassen. Durch die großen Scheiben sehen
wir schon von weitem zwei Radler auf uns zukommen. Erfreut über die Chance zu einem netten Plausch mit Gleichgesinnten sprechen wir die beiden an. Doris und Werner kommen aus Kiel und sind zeitgleich mit uns
für sechs Wochen hier in Neuseeland. Da wir uns auf Anhieb sehr sympathisch sind, beschließen wir, gemeinsam ein wenig zusammen weiter zu fahren. Der Wettergott hat wenig Einsehen mit uns vieren und öffnet
wieder die Himmelsschleusen. Es schüttet wieder wie aus Eimern, und so langsam haben wir die Faxen dicke. Die nächste Chance zur Beendigung dieser unerfreulichen Etappe ist nach einigen weiteren Kilometern
gegeben. Die Aussicht auf eine heiße Dusche, das trockene Zelt und den warmen Schlafsack lässt unsere Mienen wieder freundlicher werden. Glücklich angekommen genießen wir eine weitere Annehmlichkeit der
Campingplätze in Neuseeland, die Cabins. Kaum teurer als ein Stellplatz für das Zelt, kann man auf fast jedem Platz eine kleine Holzhütte mieten. Zwei bis vier Betten, ein Heizlüfter und meistens auch ein
Toaster gehören zur einfachen Einrichtung. Schnell sind wir nach der heißen Dusche wieder aufgewärmt, und auch die nasse Kleidung wird bis morgen wieder trocken sein. Allerdings steigt die Luftfeuchtigkeit in
dem kleinen Raum schnell an, denn der warme Luftstrom des Gebläses leistet ganze Arbeit. Dass der Wetterbericht weiteren Regen verspricht berührt uns nicht weiter. Die Vorhersagen treffen nur in den seltensten
Fällen wirklich einmal zu. Und auch diesmal liegt sie falsch, denn wir kommen am nächsten Tag trocken am ersten Highlight der Südinsel, dem Abel Tasman Park, an. Doris und Werner zieht es morgen gleich wieder
weiter, obwohl sie noch genau so viel Zeit haben wie wir. Leider müssen sie nach Umrundung der Südinsel wieder nach Auckland zurückfahren. Wir haben uns die Rückfahrt über die Nordinsel gespart und begeben
uns von Christchurch aus auf den Heimweg. Dadurch kommen wir in den Genuss, die ausgesuchten Sehenswürdigkeiten in aller Ruhe besuchen zu können. Aber in vier Wochen sehen wir uns ja wieder, denn zufällig
sitzen wir in der gleichen Maschine auf dem Weg nach Deutschland. Natürlich sind wir alle gespannt, was uns bis dahin noch alles passieren mag. Auf jeden Fall aber werden wir auf dem Rückflug keine Langeweile
haben, denn zu erzählen gibt es wohl genug nach sechs Wochen Urlaub.
Kaiteriteri ist das Sprungbrett zum sehr sehenswerten Abel Tasman Nationalpark. Ein wunderschöner Zeltplatz liegt hier in direkter Sichtweite
zum Meer. In unmittelbarer Nähe legen die Ausflugsschiffe der Wilson Familie ab, um Wanderer in den Park zu bringen und anschließend auch wieder abzuholen. Speziell Wanderer und Paddelbootfahrer kommen hier
voll auf ihre Kosten. Um alle möglichen Pfade durch den Park zu erkunden, bedarf es vieler Wandertage in unberührter Natur. Wir begnügen uns mit der Standardtour, die einen guten Einblick in die fantastische
Flora dieses Areals ermöglicht. Nachdem uns das Spezialboot "Abel Tasman Explorer" nach einer einstündigen Fahrt an einem einsamen Strand abgesetzt hat, warten wir ein wenig, bis sich die wenigen
anderen Besucher im Wald verlieren. Der Urwald widersetzt sich mit aller Macht erfolgreich der Gewalt des Meeres, und so verbleibt für den goldgelben Traumstrand nur ein schmaler Streifen zwischen Wasser und
Wald. Direkt an der Küste führt ein schmaler Trampelpfad durch die dichte Botanik. Hohe Bäume sind über und über mit knorrigen Wurzeln und weichen Moosen besetzt. Auch die Steine tragen einen dicken grünen
Teppich, der hier in der feuchten, kühlen Luft die besten Voraussetzungen zum üppigen Gedeihen vorfindet. Zwischendurch sorgen immer wieder die baumgroßen Farne mit ihren meterlangen Blattwedeln für ungemein
anziehende Blickfänge. Wenn sich der Pfad unter den großen Wedeln hinweg schlängelt, gleichen diese beim Blick nach oben einem überdimensionalen Sonnenschirm. Atemberaubend schwingende Hängebrücken führen
über tiefe grüne Schluchten hinweg, in denen klare gurgelnde Bäche heraufschimmern. Zwischendurch öffnet sich das Grün und ermöglicht fantastische Ausblicke auf weißsandige und goldene Traumbuchten. Nur
vereinzelt sieht man in diesem entlegenen Erdwinkel auch einige Häuser stehen. In ihrer Abgeschiedenheit sind sie nur über einen langen Fußmarsch oder bei Flut mit dem Boot zu erreichen. Viel zu schnell endet
die wohl schönste Wanderung meines Lebens an einem Strand, der jetzt bei Ebbe gigantische Ausmaße annimmt. Bald landet hier wieder das Boot, um uns zum Ausgangspunkt des Ausfluges, nach Kaiteriteri, zurück zu
bringen. Doch bis es soweit ist, nutzen wir die Gelegenheit zu einem kalten Bad in den glasklaren, grünlich schimmernden Fluten. Mehrere Seekajaks ziehen derweil lautlos an uns vorüber. Auch vom Wasser aus
bieten sich unzählige postkartenreife Ausblicke auf dieses geschützte Naturparadies. Am Abend dürfen sich die Paddler eine verschwiegene Bucht suchen, um dort die Nacht abseits der Zivilisation allein mit dem
Meeresrauschen, am Rande des Dschungels zu verbringen. Hätten wir eine Woche mehr Zeit, ich glaube, wir würden ohne zu zögern für ein paar Tage die Räder gegen diese eleganten Boote eintauschen. So aber
bleibt nur die Möglichkeit, bei einem späteren Besuch dieses Versäumnis nachzuholen.
Mit ein wenig Wehmut machen wir uns auf zur Westküste. Viele bergige Kilometer durch ein großes Waldgebiet müssen bis dorthin noch
zurückgelegt werden. Mit Vorsicht sind die Eintragungen der Straßenkarte für dieses Gebiet zu deuten. Statt der erwarteten Ortschaften findet man manchmal nur einzelne Häuser oder auch gar nichts vor. Wenn
der Hunger quält, muss nicht selten auf die mitgeführte Proviantreserve zurückgegriffen werden, denn die Möglichkeiten zu Einkehr oder Einkauf sind rar geworden. Am nächsten Morgen ist die Wiese gefroren,
es hat den ersten Frost dieses Herbstes gegeben. Viel zu früh erwischt uns die Kälte, die in den kommenden Nächten unser ständiger Begleiter wird. Hoffentlich ist das nicht schon der Vorbote für einen
frühen Wintereinbruch. Auf jeden Fall zwingt uns aber der eiskalte Südwind ab jetzt auch tagsüber oft dazu, die warmen Jacken auszupacken.
Hinter Murchison soll es der Karte nach nur noch abwärts zur Küste gehen. Was aber als gemütliche Abfahrt geplant war, entpuppt sich schnell
zur nervtötenden Trampelei gegen den die Schlucht hinaufblasenden Gegenwind. Unterwegs müssen wir immer wieder an einer typischen "one lane bridge" anhalten. Diese Brücken haben nur eine Fahrbahn
und sind so schmal, dass ein Lastkraftwagen gerade noch Platz findet. Für einen Radler bleibt da kein Raum mehr, so dass wir dem Stärkeren gerne den Vortritt lassen. Aber nicht nur auf Automobile müssen wir
achten. Auch die Eisenbahnlinie weicht oft auf diese Brücken aus. So bieten diese eigenwilligen Konstruktionen bei minimalem Aufwand einen maximalen Nutzen. Der nächste Zwangsstop ist ebenso ungewöhnlich für
uns Mitteleuropäer. Unter lautem Hupen zwingt uns eine Polizeistreife auf den Seitenstreifen. Beim Blick zurück weiß ich nicht, ob ich erschrocken oder belustigt reagieren soll. Ein Laster mit einem ganzen
Haus auf der Ladefläche rast auf uns zu. Auf beiden Seiten überragt das hölzerne Gebilde das Trägerfahrzeug um mehrere Meter und nimmt so die ganze Straßenbreite ein. Wir weichen ob der großen
Geschwindigkeit des Hauses lieber noch ein wenig weiter zurück. Beim Vorbeifahren des Umzuges sehen wir, dass überstehende Teile des Hauses einfach abgesägt wurden. Wahrscheinlich werden das Vordach und die
Veranda am neuen Stellplatz einfach wieder angenagelt. An den Fenstern hängen noch die Gardinen, und es hätte uns nicht weiter gewundert, wenn auch noch die Blumen auf der Fensterbank gestanden hätten.
Stark bewachsen präsentiert sich die Buller Gorge. Mehrere Aussichtspunkte lassen einen Blick hinunter auf den Fluss zu und verleiten immer
wieder zu Verschnaufpausen. Doch wir sind bei voller Konzentration damit beschäftigt, den Wind durch ständiges Mittreten in die Knie zu zwingen. So haben wir uns diese Abfahrt aber nicht vorgestellt. Todmüde
verbringen wir die nächste Nacht bei ruhigen Nachbarn, denn der schöne Zeltplatz geht direkt in einen Friedhof über. Erst direkt vor Westport wird es wieder flacher. Am Carters Beach wartet die Tasman-See mit
einem endlosen schwarzen Strand auf uns.
Akkurat geschnittene Rasenflächen scheinen auch hier an der Westküste das Hobby der Neuseeländer zu sein. Sogar die Straßenränder sind nicht
von dieser Augenweide, die sich bis weit in unbewohnte Gebiete fortsetzt, verschont worden. Aber von nun an haben wir für diese "kleinen" Schönheiten keine Augen mehr, denn eine Sehenswürdigkeit
nach der anderen zieht uns in ihren Bann. Die Pancake Rocks, auf deutsch Pfannkuchenfelsen, machen schon aus einiger Entfernung durch die lange Schlange parkender Autos und Busse auf sich aufmerksam. Doch zu
sehen ist von der Straße aus beim besten Willen nichts. Dichte mannshohe Büsche verdecken den Blick auf ein Naturschauspiel, das seinesgleichen sucht. Nur ein tiefes Grollen macht ab und an auf etwas
Ungewöhnliches aufmerksam. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die oft abgelichtete Szenerie. Eine kraftvolle Brandung rollt hier gegen die ungeschützte Steilküste mit brachialer Gewalt an. Mit lautem
Getöse krachen die schäumenden Wogen gegen das Gestein und pressen sich in unzählige ausgewaschene Höhlen und Spalten. Der Druck reicht aus, um das Wasser hoch über der Meeresoberfläche mit großer
Geschwindigkeit aus den Gesteinsöffnungen herauszudrücken. Gewaltige Fontänen lassen dabei das Herz des Fotografen jubeln. Aus Rücksicht auf die empfindliche Mechanik und Vergütung der Linsen empfiehlt es
sich, angesichts des Salzwassernebels zum Teleobjektiv zu greifen. Diese Kaltwassergeysire, so wirken sie fast auf den Beobachter, waschen nach und nach das lockere Gestein aus den festeren Schichten heraus.
Dabei entstehen die charakteristischen Gebilde, die an viele aufeinander gestapelte Pfannkuchen erinnern. Irgendwann können auch diese vergänglichen Kunstwerke der Natur nicht mehr der Kraft des Wassers
standhalten. Dann bricht alles in sich zusammen. Es entstehen große Becken, in denen das Meer im Rhythmus der Wogen auf und ab schwappt, um sein zerstörerisches Werk zu vollenden. Hinter den Pancace Rocks
warten mehrere alte Goldminen auf zahlreiche Besucher. Das kleine nachgebaute Städtchen Shantytown gibt dabei einen besonders gut erhaltenen Einblick in das Leben zur Zeit des Goldrausches. Viele
Originalgebäude, angefangen beim komplett ausgestatteten Kaufladen, über den Friseur, bis hin zu einer Schmiede und Feuerwehr sind hier zusammengetragen. Ohne zu zögern schließen wir uns einer Gruppe
an, um unter fachkundiger Anleitung das Goldwaschen selbst auszuprobieren. Nachdem jeder eine kleine Schüppe voll Flusssand in seine Waschschüssel bekommt, versuchen wir mit kreisenden Bewegungen den
leichteren Sand vom schweren Gold zu trennen und dann aus der Schüssel zu schwemmen. Nach ein paar Fehlversuchen brauchen wir neuen Sand, denn die Schüssel ist unplanmäßig entleert. Schließlich klappt es
doch noch ganz gut. Und siehe da, welch Zufall, in Marions Schüssel befinden sich sogar einige Krümel des begehrten Edelmetalls. Den "Goldfund" in ein winziges Gläschen verpackt ziehen wir mit
zwanzig Dollar weniger im Portemonnaie stolz weiter.
Nun folgt eine traumhaft bewachsene, aber raue Küste, die uns auf den weiteren Kilometern immer wieder in ihren Bann zieht. Im tosenden Meer
brechen sich die Wellen weiß schäumend an groben Felsenküsten, die sich mit langen dunklen Stränden abwechseln. Kurvenreich schlängelt sich darüber die Straße entlang und verhilft so immer wieder zu
weiten Aussichten. Wir hoffen, dass uns diese Landschaft in den nächsten Tagen erhalten bleibt. Doch urplötzlich hat die Pracht ein Ende. Man wähnt sich nun in Schleswig-Holstein, so flach und grün stellt
sich das Land bei Hokitika dar. Welch ein Kontrast zu den vorhergehenden Tagen.
Bei strahlendem Sonnenschein nähern wir uns dem Fox-Gletscher. Doch dieser macht sich rar, denn vom Eis ist noch nichts zu sehen. Vom Zeltplatz
aus sind fast vier Kilometer auf einer Schotterstrecke, bis zum Schuttfeld der tief herunter reichenden weißen Eismasse zu fahren. Schon der Weg durch den wild wuchernden Regenwald ist allein für sich die
Fahrt wert. Auch wenn man es darauf anlegen würde, weiter als einen Meter kann man nicht in ihn eindringen, so dicht stehen die Bäume und Büsche zusammen. Da außerdem alles mit Moosen und Farnen überwachsen
ist, entsteht der Eindruck eines dunkelgrünen nasskalten Dickichts. Dann endlich stehen wir an der Endmoräne vor dem tief herabreichenden Eis. Eine Karte zeigt auf, welchen Veränderungen die Eiszunge im Laufe
der Zeit unterworfen war. Vor vielen Jahren war das Ende des Gletschers noch dort, wo wir jetzt stehen. Aber nach und nach hat er sich leider immer weiter zurückgezogen. Wir versuchen, bis zum Eis zu wandern.
Doch das anstrengende Gekraxel über Stock und Stein bringt uns nicht so schnell wie gehofft weiter. Bald geben wir aufgrund des fortgeschrittenen Nachmittags das Unterfangen auf und gehen zurück zu den im
Gebüsch versteckten Rädern. Wir fragen uns, ob das gute Wetter bis morgen wohl noch durchhält. Kurzerhand entschließen wir uns, kein Risiko einzugehen, und noch heute den in der Nähe liegenden Lake Matheson
aufzusuchen. Schon die Fahrt dorthin bietet beim Blick zurück immer wieder grandiose Ausblicke auf die dicht bewachsenen Berge und den eisgepanzerten Mt. Cook. Der höchste Berg Neuseelands steht dort drüben
majestätisch im weichen Licht und hält uns in seinem Bann. Zwischen dem V-förmig ausgeschnittenen Vorgebirge hindurch kann man ihn in voller Größe bewundern. Leider müssen die Räder am Parkeingang stehen
bleiben, und so laufen wir zu Fuß auf einem schmalen Holzsteg durch den schon dunklen Wald zum See. Nach einer halben Stunde strammen Marsches liegt der See endlich glatt wie ein Spiegel vor uns. Seltsam, wir
sind jetzt zur schönsten Tageszeit fast alleine an diesem wundervollen Platz. Am "View of views" ist die Aussicht schon postkartenreif, aber es gibt noch eine Steigerung. Der "Reflection
point" bietet die optimale Perspektive! Langsam färben sich die Schneefelder der Berge in der untergehenden Sonne dunkelrot. Das neuseeländische Alpenglühen ist in vollem Gange. Dem Beobachter fällt es
nicht leicht, zu entscheiden, ob das Original oder das Spiegelbild auf der dunklen Wasseroberfläche schöner ist. Schweren Herzens reißen wir uns von diesen beeindruckenden Bildern los. Es wird jetzt schnell
dunkel und der Rückweg durch den finsteren Wald steht uns noch bevor. Als die Räder wieder in Richtung Zeltplatz rollen, ist es bereits schwarze Nacht geworden. Jetzt macht es sich wieder einmal bezahlt, eine
vernünftige Lichtanlage an den Rädern zu haben. Bevor wir müde, aber zufrieden schlafen gehen, sitzen wir noch eine Weile unter dem klaren Himmel und träumen in die unzähligen hellen Sterne am Firmament. So
viele Gestirne wie hier, auf der Südhalbkugel der Erde, habe ich noch nirgendwo gesehen. Das liegt wohl nicht zuletzt an der klaren Luft und der ländlichen Umgebung ohne große Städte. Auch das Kreuz des
Südens ist deutlich über uns zu erkennen, als wir ins Zelt krabbeln.
Bereits um neun Uhr wecken uns am nächsten Morgen die in unmittelbarer Nähe startenden Rundflug-Hubschrauber unsanft aus den Träumen. An ein
ruhiges Frühstück ist bei diesem Lärm nicht mehr zu denken, und so entfernen wir uns vorzeitig in Richtung Haast. Die Straße dorthin hält den bisher überwältigendsten Küstenabschnitt für uns bereit.
Immer wieder halten wir zu längeren Pausen in herrlicher Landschaft an. Diese bietet uns eine nicht für möglich gehaltene Steigerung der Attribute grün, dicht, überwuchert und rau. Windschiefe
Telegrafenmasten stehen direkt neben der Straße fast schon im Dickicht, das hier zum ersten Mal auf unserer Reise von einigen Palmen durchsetzt ist. Rechts neben uns tauchen in der Tiefe immer öfter
unzugängliche Traumstrände zwischen verstreuten Felsen und vor sattgrüner Flora auf. Diese ultimativen Aussichten sind aber nur für diejenigen in ganzer Pracht sichtbar, die eine Möglichkeit finden,
anzuhalten und über die Leitplanke an den Abgrund zu treten. Fast alle Autofahrer rauschen in schneller Fahrt an den schönsten Stellen vorbei. Sei es, sie haben nicht die Zeit für einen Blick zur Seite, oder
es gibt keine Möglichkeit zum gefahrlosen Halten auf der schmalen und kurvenreichen Straße. Die auf der anderen Straßenseite aufragenden Berge sind so zugewachsen, dass man beim besten Willen kein freies
Fleckchen finden kann. Einige abgestorbene, ausgeblichene Baumriesen sind dicht mit Moosen und Flechten überzogen und ragen wie drohende Finger aus der grünen Hölle. Direkt neben der Straße ist der Fels
triefend nass und bietet so einer eigenen kleinen Welt vorzüglichen Lebensraum. Weiche Mooskissen, Miniaturfarne und unbekannte Gewächse, die wie auf eine Schnur aufgereihte Erbsen aussehen, krallen sich auf
dem Gestein fest. Überall tritt kristallklares Wasser in kleinen Rinnsalen hervor. Ist hier vielleicht das Paradies?
Die vielen Fotomotive lassen die Durchschnittsgeschwindigkeit weiter sinken, so dass wir den neu eingerichteten Campingplatz in Haast erst sehr
spät erreichen. Im Dunkeln auf der sehr buckeligen Wiese einen vernünftigen Stellplatz zu finden stellt sich schnell als unmögliches Unterfangen heraus, was unsere Rücken die ganze Nacht über beschäftigt.
Und so gehen wir die Etappe zum Haast Pass mit leicht verbogenem Kreuz an. Viele Kilometer führt der Weg neben dem Flusslauf des Haast River
hinauf. Das ungeheuer breite Flussbett kann sich nach Belieben seinen Weg suchen und muss nicht, wie so oft in unseren Breiten, begradigt und kanalisiert sein Dasein fristen. Ein kurzes, aber knackiges
Steilstück kann uns nicht aus der Reserve locken. Noch ein paar Kilometer leichte Steigung, und man fährt am Schild auf der Paßhöhe vorbei. Das war er schon, der berüchtigte Haast Pass, wie er oft
beschrieben wird? Nur ein kurzes Stück später endet der glatte Asphalt und macht einer staubigen Schotterpiste platz. Wenn früher der ganze Weg hinauf auch so ausgesehen hat, kann man doch die vergangenen
Probleme für den Radler, vor allem bei Regen, erahnen. Emsige Bautätigkeit zeigt aber auch hier das Bemühen, für baldige Abhilfe zu sorgen. (Erfahrung von 1993)
Plötzlich weichen die Berge zurück und der Regenwald verschwindet langsam. In dem vor uns liegenden Hochtal bestimmen nun Brauntöne das
Farbspektrum. Viel zu früh erreichen wir unser heutiges Ziel, und so beschließen wir, noch eine Weile weiter zu fahren. Die Landschaft ist mittlerweile hochalpin anmutend und von einer reizvollen Öde
bestimmt. Zu allem Überfluss taucht die warme Nachmittagssonne das Gestein in ein unbeschreibliches Licht. Das dunkelblaue Wasser des langen Lake Wanaka läßt die Farbkomposition perfekt werden. Voller
Begeisterung vergessen wir Zeit und Raum. Tiefer Schotter holt uns aber schnell in die Wirklichkeit zurück. Vor uns liegt die bisher übelste Gravelroad der Südinsel. Weicher Kies nimmt den Reifen jeglichen
Halt. Es ist fast unmöglich zu lenken, und die Hinterräder drehen beim Antritt oftmals durch. Kurze Stellen ohne Kies haben eine wellblechartige Oberfläche und rütteln Mensch und Material bis zur
Schmerzgrenze durch. Dicke Staubwolken werden von den wenigen Autos aufgewirbelt. Man kann die Hand nicht mehr vor Augen sehen, und zwischen den Zähnen knirscht es unangenehm. Mühsam quälen wir uns weiter,
während die Sonne tiefer und tiefer sinkt. Endlich ist es geschafft, und wir haben wieder glatten Asphalt unter den Reifen. Im Sturzflug fegen wir den kurzen Hang zum Lake Hawea hinunter. Kahle Felsen tauchen,
von der untergehenden Sonne angestrahlt, dunkelrot in das tiefblaue Wasser. Am Ende des Sees entdecken wir den Ort Lake Hawea. "Gott sei Dank, daß wir gleich da sind" nörgele ich herum. Mir reicht es
für heute. Doch der Schein täuscht. Die glasklare Luft lässt die Entfernungen viel kürzer erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. Und so müssen wir fast noch eine Stunde dem beschwerlichen Weg auf und ab
folgen. Die Sonne ist schon lange weg, und das Zelt wird wieder mal im Dunkeln aufgebaut. Und doch hat sich das Weiterfahren gelohnt. Wann sonst als am späten Nachmittag hätten wir diese Landschaft in einem
solchen Farbenrausch erleben können?
Groß und modern gestaltet überrascht uns in Cromwell eine Fußgängerzone, die nicht in diese Gegend zu gehören scheint. Wir nutzen die
unerwartete Gelegenheit zu einem kleinen Bummel entlang der netten Ladenzeilen. Ein Schnellrestaurant hat mehrere Tische und Stühle in die Sonne hinausgestellt. Bevor ich etwas sagen kann, sitzt Marion schon
und hat mit treffsicherem Blick den Steak-Burger auf der Speisekarte entdeckt. Nach kurzer Zeit steht neben der obligatorischen Cola ein hausgemachter Riesenburger auf dem Tisch. Den Ausmaßen nach stellt er
selbst die Maxiangebote der allbekannten Kettenrestaurants locker in den Schatten. Aber auch die inneren Werte können sich sehen lassen. Neben einem mittelgroßen Salat verbirgt sich noch eine handtellergroße
Frikadelle und ein ebenso großes Stück Grillfleisch unter der weichen Teighaube. Sehr zur Freude der Bedienung macht uns die Portion ganz schön zu schaffen. Vom Pausenplatz aus lässt sich derweil
hervorragend das geschäftige Treiben um uns herum beobachten. Natürlich gleicht die Szenerie in vielen Belangen der anderer Einkaufszentren der westlichen Welt. Was jedoch besonders auffällt, ist das
besondere Verhältnis des Neuseeländers zu Hunden. Nicht nur, dass sich fast jeder ein solches Tier zu halten scheint. Der vierbeinige Freund wird auch fast überall mitgenommen. In PKW`s nehmen sie bevorzugt
auf dem Beifahrersitz Platz, während Frauchen in die zweite Reihe weichen muss. Pickups transportieren sie auf der Ladefläche, wobei die bevorzugte Stellung mit den auf das Dach gestellten Vorderpfoten
eingenommen wird. Nur so können sie über das Dach hinwegschauen und mit wehenden Ohren das Verkehrsgeschehen beobachten. Aber auch das Fahren von Zweirädern scheint für die meisten kein Grund zu sein, den
Kläffer zu Hause zu lassen. Sogar auf dem kleinsten Moped findet sich zwischen Lenker und Bauch des Fahrers immer noch ein wenig Platz auf dem Tank. Und selbst die Radfahrer scheinen den Tieren keinen
Fußmarsch zumuten zu wollen. Die ältere Frau, die gerade mit ihrem Mountainbike vorbei kommt, hat extra auf dem Gepäckträger eine hölzerne Plattform angebracht. Darauf sitzend muss ihr kleiner Freund keinen
Meter zuviel laufen. Hund müsste man sein! Wir aber müssen selber weiterstrampeln.
Natürlich bewahrheitet sich dann wieder die alte Regel: Ein voller Bauch radelt schlecht. Entsprechend faul setzen wir schwerfällig die Fahrt
fort. Müssen wir ausgerechnet jetzt den stürmischen Wind als Feind gegen uns haben? Es wird ein langer Kampf in einer von Wind und Wetter geprägten Gebirgslandschaft am Kawarau River. Der hat sein Flussbett
tief in das Gestein geschliffen. Von der hoch über der Wasseroberfläche verlaufenden Straße sind immer wieder spektakuläre Ausblicke auf das reißende und weiß schäumende Wasser möglich. Anscheinend muss
der Fluss auch einmal Gold mit sich geführt haben. Die Reste alter Diggerbehausungen sind die Zeugnisse des ewigen Traumes vom großen Geld in vergangener Zeit. Einige hohe Pappeln setzen heimische Akzente in
dieser Kargheit. Ein wenig Abwechslung bietet eine ungewöhnliche Attraktion, die heute wahre Menschenmassen angezogen hat. Der angebliche Erfinder des Bungy-jumping hat direkt neben der Hauptstraße eine alte
Brücke als Stützpunkt bezogen. In großem Bogen führt diese schwindelerregend hinüber auf die andere Seite der tiefen Schlucht. In der Mitte der Brücke sind außen zwei Plattformen frei über dem Abgrund
hängend angeordnet. Wir mischen uns unter die ausgelassene Menschenmenge. Überwiegend junge Leute scheinen von diesem Nervenkitzel magisch angezogen worden zu sein und haben sich mit Bussen des Veranstalters
hierhin karren lassen. Laute Discomusik plärrt aus großen Lautsprechern, und alle schwingen im Takt mit. Wir kommen uns völlig deplaziert in dieser eigenartigen Welt vor und kämpfen uns durch bis zum Ort des
Schreckens. Gerade wird eine junge Frau auf der Absprungrampe gewogen, um die erforderliche Seillänge zu berechnen. Betont cool versucht sie, die Anspannung zu überspielen. Bei der Frage, ob der Kopf in den
Fluss eintauchen soll, nimmt ihr die johlende Menge die Entscheidung ab. "Eintauchen, Eintauchen" schallt es immer wieder zu ihr hinüber. Die Bungycrew grinst und stellt die Seillänge entsprechend
ein. Jemand legt das Seilende um ihre Füße, und man glaubt, ihr Zittern trotz des dicken Wollpullovers erkennen zu können. Die Spannung steigt, und nach langem Zögern fällt sie schließlich in großem Bogen
der Tiefe entgegen. Wie mag man sich wohl im freien Fall fühlen? Wir werden es nie erfahren. Mit vorgetäuschtem Geiz ob der wirklich horrenden Preise lasse ich keine Diskussion mit Marion über eine Mutprobe
aufkommen. Das Mädel ist mittlerweile unten angekommen und eingetaucht. Jedoch nicht wie abgesprochen mit dem Kopf, sondern mit ihrem ganzen Oberkörper bis hin zur Hüfte. Am jetzt straff gespannten Gummiseil
schnellt sie wieder in die Höhe, um sofort danach ein zweites Mal aus etwas geringerer Höhe in die Tiefe zu stürzen. Das wiederholt sich noch einige Male, bis sie auspendelt und der Spaß endgültig vorbei
ist. Kopfüber wird sie in ein Schlauchboot abgelassen, das sie anschließend zurück zum Ufer bringt. Kreidebleich, aber stolz steht sie bald darauf im Souvenirshop, um nun noch ein T-Shirt mit der großen
Aufschrift ihrer Ruhmestat zu erwerben. Uns zieht es weiter, nur weg von dem Gegröle und der Menschenmenge. Bis Queenstown regnet es unablässig vom dunkelgrauen Himmel. Wir wollen von hier aus einen Abstecher
zum Milford Sound unternehmen, um danach wieder nach Queenstown zurückzukehren. Da die Strecke also zweimal vor uns liegt, fällt es uns nicht schwer, den nächsten Bus nach Te Anau zu besteigen. Im kleinen
Anhänger ist noch genug Platz für unsere Räder, die auf diese Weise auch trocken ihr Ziel erreichen. Unterwegs schüttet es weiter wie aus Eimern. Unsere schnelle Entscheidung war also goldrichtig gewesen. Es
bleibt uns aber leider nicht erspart, das Zelt in Te Anau an diesem Abend im Regen aufzustellen. Trotz des ungemütlichen Wetters ziehen wir noch einmal in die Stadt. Im Visitorcenter entscheidet sich unser
Programm für die nächsten Tage. Zusätzliche Kilometer werden hierbei jedoch nicht auf dem Radtachometer erscheinen. Das Wetter scheint uns nicht zum Radeln auf der fast 120 Kilometer langen Sackgasse zum
Milford Sound geeignet zu sein. Statt dessen wählen wir eine preiswerte Bustour zu diesem absoluten landschaftlichen Höhepunkt der Südinsel.
Früh am Morgen, es ist noch dunkel, klingelt aufdringlich der Wecker. Es ist bitterkalt, und die Nacht hat jetzt, Mitte März, die Natur zum
wiederholten Mal mit leichtem Frost überrascht. Der Platz schläft noch, und mit uns wartet nur ein weiteres Paar am Eingang des Campgrounds. In wenigen Minuten wird uns der Bus hier abholen. Dieser besondere
Service ist nur einer von vielen positiven Eindrücken, die wir auf unserer Reise machten. Der Bus ist gut geheizt, und ungewohnt komfortabel geht es endlich los. Links von uns erscheint geheimnisvoll der Lake
Te Anau zwischen tief hängenden Wolkenfetzen. Der Fahrer gibt unentwegt gut verständliche Hinweise und Erklärungen zu allem Interessanten entlang des Weges ab. Dann heißt es plötzlich: "Aussteigen zum
sightseeing". Einer nach dem anderen quälen wir uns aus dem Bus, um einen kurzen Blick auf mehrere spiegelnde Teiche zu werfen. Im Hintergrund ragt der undurchdringliche Regenwald an den Berghängen auf.
Nur ein Pfad führt hindurch, und der wird von der Parkverwaltung bezüglich des Zutritts stark reglementiert. Nur wenige Wanderer dürfen nach Anmeldung den fünf Tage dauernden Weg durch den Traumwald unter
die Füße nehmen. Bereits hier ärgern wir uns, dass wir im Bus und nicht auf den Rädern sitzen. So müssen wir uns gleich wieder in die Schlange vor dem Bus einreihen, anstatt in Ruhe und ohne das
vielsprachige Stimmengewirr die Natur genießen zu können. Beim nächsten Stop ist der Scheitelpunkt des Hinweges erreicht. Vor dem Homertunnel sollen wir nach Willen des Busfahrers einen spärlichen Schneerest
in einer schattigen Ecke bewundern. Wir bleiben gleich im Bus, als wir sehen, dass die sonst an dieser Stelle zahlreich anzutreffenden Keas geflüchtet sind. Gerade hier sollen sich normalerweise besonders viele
dieser dreisten und knabberwütigen Papageienvögel herumtreiben. Berichten zufolge machen sie in ihrer Neugier nicht einmal vor Autoscheiben und Fahrradspeichen halt. Doch so sehr wir auch hoffen, heute ist
leider kein einziges Exemplar zu sehen. Hinter dem Tunnel führt die Straße steil hinunter zum Milford Sound. Die Berge scheinen ihre Funktion als Wetterscheide zu erfüllen, denn die Wolkendecke ist
strahlender Sonne gewichen. Bei dem für dieses Gebiet vollkommen untypischen Wetter besteigen wir das wunderschöne Segelschiff "Milford Wanderer", um in diese phantastische und unberührte Fjordwelt
einzutauchen.
Hinter dem Schiff türmt sich der Berg Mitre Peak in die Höhe. Dass dieser Name soviel wie Bischofsmütze bedeutet, kann man beim Anblick dieses
riesigen Monolithen mit ein wenig Fantasie auch nachvollziehen. Erst im direkten Vergleich mit vorbeifahrenden Schiffen kann man seine gewaltige Höhe von über eintausendsechshundert Metern einigermaßen
einschätzen. Wir sind beide überwältigt, als das Schiff ablegt. Langsam durchschneidet der Rumpf das ruhige Wasser und erzeugt eine nicht enden wollende keilförmige Wellenformation hinter sich. Irgendwann
platschen die Wogen an die steil aus dem Wasser aufragenden Felswände, die über und über dicht mit kleinen feuchtigkeitsliebenden Pflanzen überzogen sind. Immer wieder tauchen Wasserfälle auf, die sich aus
großen Höhen in den Fjord ergießen. Direkt vor dem Boot erscheint ein bunter Regenbogen, genährt von dem Sprühnebel, den die Wassermassen auf ihrem langen Weg in die Tiefe hervorbringen. Doch neben diesem
unglaublichen Landschaftserlebnis ist der Höhepunkt der Tour nicht geplant gewesen und auch keinem Prospekt zu entnehmen. Erst das entzückte Kreischen einiger Frauen macht uns aufmerksam. Die nette Frau neben
uns stellt sich mit "I'm Lyn from Australia" vor und zeigt mit ausgestrecktem Arm zum Wasser. Tatsächlich, da bewegt sich etwas. Eine Gruppe von acht oder neun Delphinen taucht gerade direkt neben
dem Boot auf, das sofort die Fahrt zurücknimmt. Die pfeilschnellen Tiere schießen meterhoch aus dem Wasser, um laut platschend wieder ins kalte Nass zurück zu fallen. Es scheint so, als würden sie wild und
ausgelassen herumtoben. Ein derartiges Schauspiel, das eine unbändige Fröhlichkeit ausstrahlt, haben wir in freier Natur noch nicht zu Gesicht bekommen. Wie traurig muß dagegen das Dasein der Tiere sein, die
in engen Zoobecken gehalten werden, um den Kaspar für die Daheim gebliebenen Menschen spielen. Die Freude über die Kunststückchen dauert aber nicht lange an, denn genauso schnell, wie sie gekommen waren,
tauchen sie auch wieder in die Tiefe hinab. Das Boot fährt langsam aus dem Fjord hinaus und gleitet auf das offene Meer. Sofort werden die Wellen höher und bewegen das Schiff auf und ab. Einigen Passagieren
wird sichtlich unwohl, und sie sind froh, als der Skipper wieder beidreht, um den Rückweg anzutreten. In der Nähe der Anlegestelle wartet schon der Bus auf uns. So bleibt nicht einmal die Zeit, die nähere
Umgebung auf einer kleinen Wanderung zu erkunden. Tief berührt von dem Erlebten läuft auf dem Rückweg nach Te Anau der Tag noch einmal an uns vorbei.
Nach dem gesellschaftlichen Erlebnis im Bus sind wir versessen darauf, wieder mit den Rädern allein die Gegend zu erradeln. Die Geographie kommt
uns dabei entgegen, und ohne nennenswerte Steigungen rauschen wir durch die einsame Landschaft zurück nach Queenstown. Plötzlich werden wir von einem wild hupendem Auto überholt, das etwas später anhält.
Jemand steigt aus und richtet eine Kamera auf uns. Verwundert fahren wir auf die Leute zu und erkennen erst jetzt die Frau wieder. Es ist Lyn aus Australien mit ihrem Mann Rex, die wir gestern auf dem Schiff
kennen gelernt haben. Dort schon war sie völlig aus dem Häuschen, als wir von unserer Radtour erzählten. Vielleicht glaubte sie uns gestern nicht so recht, aber jetzt hat sie ja den Beweis in der Kamera.
Lange wird unsere Ausrüstung bestaunt, als ob sie so etwas noch nie gesehen hätten. Viele Fragen müssen wir in allen Einzelheiten beantworten. Wir wollen weiter, aber Lyn lässt uns nicht weg, bevor wir
unsere Adressen ausgetauscht haben, natürlich verbunden mit dem Versprechen zu schreiben. Dass aus diesem Kontakt eine intensive Freundschaft werden sollte, können wir hier noch nicht ahnen.
Das Wetter wird wieder schlechter, und in Kingston kapitulieren wir vor dem einsetzenden Regen. In der unruhigen Nacht wird das Zelt von wilden
Böen hin und her gerissen. Bedenklich biegt sich das Gestänge über unseren Köpfen. Hoffentlich hält der Stoff der Belastung stand, denn ein zerrissenes Zelt würde uns gerade noch fehlen. Das Gewebe ist
zwar nach Aussage des Herstellers das Beste, was es zur Zeit gibt. Aber die Versprechen der Hochglanzprospekte müssen in solchen Nächten erst einmal eingelöst werden. Zum Glück übersteht unser Unterschlupf
auch diesen Orkan unbeschadet.
Als Marion im Morgengrauen aus dem Zelt schaut, kann ich ihren Worten kaum Glauben schenken. Doch bald sehe ich es mit eigenen Augen: Die Berge
um uns herum sind mit einer weißen Schicht überzogen, die fast bis zu uns ins Tal herunter reicht. Nun keimt die Angst wieder in uns auf, in den letzten zwei Wochen doch noch vom viel zu früh hereinbrechenden
Winter überrascht zu werden. Der Orkan hat noch nicht nachgelassen, und der schwarzgraue Himmel verheißt nichts Gutes. Nur kurz währt die Schauerpause. Aber sie reicht aus, um das Zelt abzubauen und die
Räder startklar zu machen. Vorsichtshalber streifen wir sofort die Regenkombis über. Keine Minute zu spät, denn die Wolken lassen nur Sekunden später ihre nasse Last auf uns hinabfallen. Doch es ist nicht
nur Wasser, das dort oben vom Himmel kommt. Ein nicht unerheblicher Teil fällt in Form nasser weißer Flocken, die sofort auf unseren Jacken zu glasklaren Tröpfchen schmelzen. Bei diesem eiskalten Schneeregen
wird das Radfahren zur Qual. Mit halb erfrorenen und nassen Händen klammern wir uns am Lenker fest. Die Handschuhe sind längst durchgeweicht. Immer wieder halten wir an, um sie durch Reibung wieder zum Leben
zu erwecken. Trotzdem haben wir Glück im Unglück, denn bei nachlassendem Regen bläst der Sturm jetzt von hinten und schiebt mit einer unvorstellbaren Kraft alles vor sich her. Laufend müssen wir bremsen, um
nicht zu schnell zu werden, denn hinter jeder Kurve lauern gefährliche Seitenböen. Wie von Geisterhand bewegt werden wir mehrmals weit zur Seite abgedrängt. Jetzt verhindert nur noch Absteigen und Schieben
einen drohenden Sturz. Nur gut, dass fast keine Autos unseren Weg teilen. Kurz vor Queenstown öffnet der Himmel wieder seine Schleusen. Unsere Flucht endet in einem kleinen Restaurant an der Straße. Die
Bedienung nimmt mitleidsvoll zu uns herüberschauend die Bestellung auf. Bald darauf wärmen wir unsere Hände an großen Kaffeetassen auf, und der leckere Burger weckt die Lebensgeister in uns. "Ich
glaube, es wird heller", so nerven wir uns dauernd gegenseitig, bis wir endlich den Mut haben, wieder aufzubrechen. Aber erlöst sind wir noch lange nicht, denn der Wettergott hat noch ein besonderes
Schmankerl für uns bereitgehalten. Es hagelt nun erbsengroße Eisstücke vom Himmel. Schnell ist die Straße weiß, und die fast waagerecht daherfliegenden Körner klatschen schmerzhaft ins Gesicht. An Fahren
ist nicht mehr zu denken, aber nirgendwo gibt es eine Möglichkeit, sich unterzustellen. Also warten wir frierend in gebückter Haltung, dem Wetter den Rücken zeigend, das Ende des Unwetters ab. Bald findet
unser Flehen Erhörung, und das Schauspiel ist vorbei. Drohend schwarze Wolken begleiten uns auch weiterhin, aber der Himmel bleibt diesmal geschlossen. Petrus hat nach dieser Vorführung endlich ein Einsehen
mit uns. Nicht nur wegen des schlechten Wetters verzichten wir darauf, nach Queenstown hinein zu fahren. Dieser Ort stellt das touristische Zentrum der Südinsel dar, was natürlich mit entsprechenden
Menschenmassen verbunden ist. Hier lässt sich fast jede erdenkliche Freizeitbeschäftigung antreffen doch die absoluten Renner bei den Touristen sind wilde Hubschrauberflüge, rasende Jetbootfahrten und
halsbrecherische Wildwasserfahrten im Schlauchboot auf dem tosenden Shotover River. All dem sind wir nicht zugeneigt, und so sparen wir uns lieber die Zeit für die ruhige Einsamkeit der folgenden Tage auf.
Geradezu dramatischen Veränderungen ist die Landschaft auf dem Weg nach Omarama unterworfen. Langgezogene Steigungen halten uns trotz der Kälte
einigermaßen warm. Die Berge haben weiche Rundungen, und sanfte Brauntöne sind wieder vorherrschend. Bäume sind jedoch Mangelware. Von weitem betrachtet erscheint es, als ob alles mit dichtem Moos überzogen
ist. Aus der Nähe aber erkennt man, dass das Gelände über und über mit Büschelgras bewachsen ist. Überwältigt von den landschaftlichen Impressionen passieren wir in 971 Metern Höhe das Schild der
Lindis-Passhöhe. Was nun folgt, kann nur ein eingefleischter Radler verstehen. Wie im Rausch geht es auf der leeren Straße hinunter nach Omarama. Surrend rollen die Reifen auf dem rauen Asphalt ab, und der
Tacho dringt beständig in die sonst selten erreichten Bereiche jenseits der 50 km/h Marke vor. Kilometerweit rasen wir so zwischen den Bergrücken zu Tal, bis sich die Straße den Bergen entzieht. Vor dem flach
auslaufenden, schnurgeraden Asphaltband breitet sich eine weite Ebene aus. Weit in der Ferne tauchen überraschend schon die Alpen am Horizont auf. Die glasklare Luft macht wieder diese sensationelle Fernsicht
möglich, die wir so bisher nur in Neuseeland erleben konnten.
Da hinten in über hundert Kilometern Entfernung glänzen die Gletscher in der gleißenden Sonne. Dorthin, zum Mt. Cook, wollen wir. Doch was so
nah erscheint, hält uns noch einen ganzen Tag im Sattel. Kilometer um Kilometer nähern wir uns den Bergriesen, die sich langsam immer höher vor uns aufbauen. Dann ist das Ziel erreicht. In Glentanner bauen
wir das Zelt vor dieser monumentalen Bergkulisse auf. Noch nicht ganz fertig damit, stehen wir plötzlich in einem unerfreulichen Disput mit einem besitzergreifenden Wohnmobilfahrer. Aus einem unerfindlichen
Grund glaubt dieser, ein Anrecht auf unseren Platz zu haben, da sich direkt neben unserem Zelt eine Steckdose befindet und wir ja "nur" mit den Rädern unterwegs sind. In Wirklichkeit ist er aber nur
scharf auf die überwältigende und unverstellbare Aussicht dieses Stellplatzes. Wir haben schon bezahlt und an der Rezeption die freie Auswahl der Parzelle zugesagt bekommen. Außerdem ist der halbe Zeltplatz
noch leer, und alle anderen Stellplätze haben ebenfalls einen Stromanschluss. Mit diesem Wissen muss ich das Ansinnen dieses ungemütlichen Genossen energisch zurückweisen. Das gelingt mir aber erst nach einem
lautstarken Wortgefecht, was mir nicht besonders schwer fiel: Der erste unfreundliche Mensch auf unserer Reise ist nämlich bezeichnenderweise ein deutscher Landsmann. Mit bösen Flüchen zieht er schließlich
doch noch ab. Wenig später, schon in weiche kuschelige Daunen gehüllt, beobachten wir aus dem Zelt heraus das Farbenspiel des weichenden Tages. Wie auf dem Präsentierteller liegt der höchste Berg Neuseelands
unverdeckt in voller Größe wieder vor uns. Das große Sandergebiet und die Gebirgsflanken sind längst im dunklen Schatten versunken. Nur die hohen Gipfel erstrahlen noch im Licht der im Südwesten
versinkenden Sonne. Langsam färbt sich das Weiß seiner Gletscher rot, um dann purpurn in der Dunkelheit zu versinken. Nur Minuten später ist es bereits finstere Nacht geworden. Fröstelnd, aber zufrieden
fallen wir in den Schlaf.
Startende Wohnmobile wecken uns unsanft auf. Nachdem die Dieselwolke verzogen ist, wagen wir uns aus dem Zelt. Heute war bestimmt die kälteste
Nacht der Reise, denn das Außenzelt ist gefroren und eine dicke weiße Reifschicht ziert die Wiese. Das frühe Aufstehen hat aber auch ein Gutes, denn so sind wir zum erstenmal in Neuseeland beim Sonnenaufgang
dabei. Noch taucht die Sonne nur die Gipfel in ein weiches Licht, und es dauert eine ganze Weile, bis auch unser Zelt von den wärmenden Strahlen aufgetaut wird. Am Hauptgebäude des Platzes starten bereits die
ersten Sportflugzeuge und Hubschrauber zu Rundflügen über die Gletscherwelt. Nach einigem Zögern entschließen auch wir uns, die knapp einhundert Mark in diese einmalige Aussicht zu investieren.
Man kann es drehen, wie man will, bei gutem Wetter hat man einen ausgezeichneten Gegenwert für sein Geld zu erwarten. Wo sonst kann man einem
riesigen Sandergebiet bis zum Fuße der Gletscher folgen, um dann bis zu den Gipfeln der höchsten Berge aufzusteigen? Mit ein wenig Glück lässt sich sogar von hier aus die Westküste der Südinsel erkennen,
während kurz davor die beiden Gletscher Fox und Franz-Josef ihre eisigen Massen ins Tal schieben. Erst von hier oben sieht man, wie nah wir doch wieder an der Küste sind. Nur dieser schmale und
unüberwindliche Gebirgsstock mit einer Höhe von fast viertausend Metern Höhe trennt uns von den schon bekannten, nur knapp dreißig Kilometern entfernten Stränden der Tasman-See.
In Gedanken noch beim Flug über den Alpen, sitzen wir schon wieder im Sattel. Hinter dem unwirklich türkis leuchtenden Stausee Lake Pukaki
erwartet uns eine Wüste, deren Ende nicht absehbar ist. Spärlich wächst die Vegetation im Regenschatten der hohen Berge, und nur wenige unempfindliche Arten kommen mit der großen Trockenheit aus.
Überraschend für uns, ist es auch zu dieser Jahreszeit sehr warm unter der hoch im Norden stehenden Mittagssonne. Kilometerweit ändert sich nichts an dieser Einöde. Wie in kitschigen Reklamestreifen flimmert
die Luft in der Mittagshitze über dem flachen Erdboden. Es würde uns nicht wundern, wenn jetzt noch eine Fata Morgana ein paar Dromedare an den Horizont zaubert.
Völlig allein stehen wir auf dem großen Zeltplatz, der zu einer einsam gelegenen Taverne mit dem bezeichnenden Namen Roaring Deer gehört. Im
Schankraum ist bereits der Bär los. Es scheint, als ob die Szene der Gegend dieses Lokal als Samstagabendtreff auserkoren hat. Alte Rockmusik, die aus den Boxen dröhnt, trifft genau unseren Geschmack, und
schnell ist auch Kontakt zu den Tischnachbarn hergestellt. Wie immer weckt unsere Reise großes Interesse, und wir müssen jedem neu Hinzukommenden die gleichen Fragen noch einmal beantworten. Verlockender
Geruch von frischem Rostbraten weht uns um die Nase. Wir lassen uns nicht lange bitten und haben kurz darauf eine Riesenportion auf dem Tisch stehen. Wie immer in den vergangenen Wochen gibt es einen
ausgezeichneten und reichlichen Gegenwert für den Dollar. Da das Zelt schon steht und somit die Unterkunftsfrage für heute gesichert ist, gibt es keinen vernünftigen Grund, auf ein paar Gläschen Draught
Bitter Beer zu verzichten. Bei der Bestellung der ersten zwei Gläser werden wir von der Bedienung uneigennützig in das hiesige Rabattsystem eingeweiht. "Wenn ihr mehr als zwei Gläser trinken wollt, dann
bestellt besser sofort einen großen Krug. Der kostet fast das gleiche wie zwei kleine Gläser, hat aber einen Liter Inhalt" meint sie sinngemäß mit einem breitem Grinsen zu uns. Natürlich sind wir von
dem Angebot begeistert. Das System scheint in Neuseeland allgemein üblich zu sein. Auch beim Eis haben wir ähnliches festgestellt: Ein Hörnchen mit einer Kugel kostet ungefähr einen Dollar, aber jede weitere
Kugel mehr nur noch einige Cent Aufpreis. Erst jetzt fällt uns auf, dass auch auf den anderen Tischen ausschließlich Krüge stehen. Es bleibt nicht bei dem einen Krug, und leicht beschwipst endet der schöne
Abend spät im Zelt.
Bevor wir Kaikoura erreichen, müssen noch einige schweißtreibende Hügel in die Knie gezwungen werden. Die letzten Kilometer führen uns direkt
an der eindrucksvollen Felsküste entlang. Direkt von der Straße aus kann man etliche Seehunde beim munteren Spiel im seichten Wasser beobachten. Andere wiederum lassen sich vom Wind in der warmen Sonne das
Fell trocknen. Erwartungsvoll treffen wir in der ehemaligen Walfängerstadt ein. Doch der Ort macht einen ziemlich verkommenen Eindruck. Auch der zwischen Straße und Bahnlinie liegende Zeltplatz ist in einem
erbärmlichen Zustand. Der einzige Vorteil dieses Campgrounds ist seine unmittelbare Nähe zum Ausgangspunkt der Waltouren. So können die Räder ohne Sorge angekettet zurückgelassen werden, wenn es hinaus zur
Walsafari geht. Doch daraus wird leider Gottes zunächst einmal nichts. Enttäuscht nehmen wir die Auskunft des Walbüros entgegen. Alle Fahrten der letzten zwei Tage sind wegen des hohen Wellenganges
ausgefallen, und auch für morgen kann die Fahrt auf das Meer nicht mit Sicherheit zugesagt werden. Trotzdem buchen wir auf Verdacht für morgen Vormittag. Wer weiß, ob wir jemals wieder hierhin gelangen
werden. Aber das Risiko hat sich gelohnt. Am nächsten Morgen fahren die Boote planmäßig mit uns an Bord hinaus auf das noch immer sehr unruhige Meer. Zuerst steuert der Bootsführer das große Schlauchboot an
der Küste entlang zu einer Stelle, an der sich eine große Herde Husky-Delphine aufhält. Man sieht die Tiere schon von weitem meterhoch aus dem Wasser schnellen. Direkt zwischen ihnen kommt das Boot zum
Stehen, und man weiß gar nicht, wo der Blick zuerst hinstreifen soll. Die Delphine scheinen auf uns gewartet zu haben und geben nun eine Sondervorstellung ihres Könnens. Mehrere von ihnen schwimmen direkt auf
uns zu, um dann schnell unter dem Kiel hinweg zu tauchen. Andere wiederum lassen das salzige Wasser bis aufs Deck spritzen, indem sie sich direkt vor unserem Boot mit voller Wucht auf das Wasser klatschen
lassen. Der Rest der Herde ist nur an den senkrecht aus dem Wasser herausragenden Rückenflossen zu erkennen. Unser Guide erklärt dabei über Lautsprecher, dass zu einem sichtbaren Delphin bis zu vier unter
Wasser schwimmende Exemplare hinzugezählt werden können. Beim Nachzählen kommen wir auf fast dreißig!
Plötzlich kommt Unruhe auf. Über Funk wird das Sichten eines Wales gemeldet, und sofort nimmt das Boot Kurs auf die angegebene Position.
Draußen sind schon die anderen Boote zu sehen, dort muss es wohl sein. Aber der Wal ist bereits abgetaucht, bevor wir ihm erreicht haben. Nun hilft nur noch warten. Die Crew hängt ein Mikrofon ins Wasser, um
den riesigen Säuger zu orten. Ohne Motorkraft treiben die Boote auf dem Meer. Warten. Auf jedem Wellenberg schauen zwanzig Augenpaare fieberhaft über die Wasserfläche, um etwas zu entdecken. Sekunden später
versinkt die Nußschale wieder im Wellental, was die Sicht auf wenige Meter begrenzt. Immer noch warten. Das ewige Auf und Ab scheint einigen Passagieren nicht sonderlich gut zu bekommen. Eimer werden
herumgereicht, und die quälenden Geräusche lassen niemanden unbeeindruckt.
Endlich der laute Schrei "The Whale". Und tatsächlich, da liegt er vielleicht dreißig Meter vor uns im Wasser. Bei der unruhigen See
könnte man den Koloss glatt mit einem treibenden Baumstamm verwechseln. Nur der vom Wal sporadisch aus dem Atemloch herausgeschleuderte Wassernebel lässt den letzten Zweifel verfliegen. Ganz behutsam nähert
sich das Boot dem Riesen. "Der ist mindestens zwanzig Meter lang" tönt es aus dem Lautsprecher. Die Spannung steigt. Gleich wird er wieder in den Tiefen des Meeres verschwinden, um dort seine Nahrung
zu suchen. In diesem Augenblick macht er einen Buckel und taucht fast senkrecht nach unten ab. Die riesige Schwanzflosse hebt sich schwarz glänzend aus dem Meer. Alle Kameras klicken unablässig, denn jeder
will diesen Augenblick für immer festhalten. Unterdessen versinkt die Flosse langsam, ja fast majestätisch in den Fluten. Nichts deutet mehr darauf hin, dass vor wenigen Augenblicken einer unserer größten
Träume in Erfüllung gegangen ist. Der Weg nach Kaikoura ermöglichte uns ein Erlebnis, das wir nie mehr vergessen werden. Noch ein weiteres Mal haben wir die Gelegenheit, einem Wal beim Luftholen zuzuschauen,
und dann ist der Ausflug leider zu Ende. Nun sieht man auch die Bemühungen der Naturschutzorganisationen zum Schutz der Wale in einem ganz anderen Licht. Nach diesem hautnahen Kontakt fühlt man sich von der
weltweiten Jagd auf die Wale persönlich betroffen.
Gedankenversunken radeln wir zurück in Richtung Christchurch. Es ist wieder spät geworden, und das angestrebte Etappenziel rückt in
unerreichbare Ferne. Gedanklich sehen wir uns schon nach einem Platz in freier Natur um, als wir an einem Hotel einen kleinen Privatplatz entdecken, der in keinem Führer verzeichnet ist. Unweigerlich geht die
Reise langsam zu Ende, und das hier ist eine der letzten Übernachtungen auf Neuseeland. Ein wenig traurig leisten wir uns im benachbarten Restaurant ein komplettes Abschiedsmenue. Rockige Töne locken uns
anschließend in die große Bar. Zu unserer Überraschung sind nur drei Männer anwesend. Sie mögen vielleich fünfzig Jahre alt sein, doch diese Musik hätten wir ihnen nicht zugetraut. Zwischen Guns´n Roses
und Bruce Springsteen bestellen wir einen letzten Krug Bitter Beer. Die Männer sind leicht angetrunken und werden erst auf uns aufmerksam, als ich die Juke-Box nach einer kurzen Pause wieder in Gang setze.
Sogar die von uns gewählten Scheiben der Rolling Stones und der Dire Straits scheinen ihnen zu gefallen. Lallend rufen sie freundlich etwas zu uns herüber. Wir verstehen kein einziges Wort. Einer der drei
fasst sich ein Herz und kommt mit dem Glas in der Hand an unseren Tisch. Er scheint der nüchternste von allen zu sein, und einige Bruchstücke können wir aufnehmen. Nach vielfacher Entschuldigung für das
Benehmen seiner Kumpanen stellt er sich kurz als Don Davies vor. Er ist hellauf begeistert, zum erstenmal in seinem Leben Deutsche kennen zu lernen. Normalerweise wird hier freiwillig auch kein Fremder anhalten,
denke ich im Stillen. "Ich bin Manager der Schafscherer dieser Gegend" erzählt er stolz weiter. "Kommt doch morgen früh zu mir. Dann können wir uns in Ruhe unterhalten, und wenn ihr wollt,
zeige ich euch wie ein Schaf seine Wolle verliert". Da es keinen Sinn hat, dem Betrunkenen die Einladung abzuschlagen, sagen wir erst einmal zu. Ob wir wirklich hinfahren, können wir ja später
entscheiden. Normalerweise halten wir uns mit der Wahrnehmung von Einladungen solch schneller "Freunde" zurück. Und höchst wahrscheinlich hat er die Einladung bis morgen wieder vergessen. Doch die
Neugier siegt in diesem Fall. Schließlich haben wir die kommerziellen Schafscher-Shows bewusst ausgelassen, und nun bietet sich die einmalige Gelegenheit, dieses in authentischer Umgebung nachzuholen.
Zur vereinbarten Zeit erreichen wir am nächsten Morgen sein Grundstück. Doch statt Don empfängt uns nur eine wild kläffende und
zähnefletschende Bestie. Meinetwegen könnte der Zaun noch ein wenig höher sein! Bei der Überlegung, wie wir uns am besten bemerkbar machen, steht Don auch schon am Tor. Der Hund darf uns und unsere Räder
beschnüffeln und ist dann plötzlich friedlich wie ein Schoßhund. Schwanzwedelnd streicht er um uns herum. Trotzdem misstraue ich ihm und lasse ihn nicht mehr aus den Augen. Don zeigt uns erst einmal seinen
ganzen Stolz, den gepflegten an Wembley erinnernden Rasen. Ich möchte dieses grüne Prunkstück entsprechend loben, aber mit dem Wort "meadow" muss ich wohl am Ziel vorbeigeschossen sein. Ausführlich
wird mir nun ein Vortrag über den Unterschied zwischen meadow und lawn gehalten. Die von mir so hoch gelobte meadow heißt übersetzt dummerweise Wiese und nicht Rasen, wie ich irrtümlicherweise angenommen
hatte. Nun wissen wir also, dass des Neuseeländers geliebter Rasen mit lawn zu bezeichnen ist. Ich glaube, das werde ich nicht mehr vergessen. Jetzt erst werden wir der Familie als die "friends of
Germany" vorgestellt. Aufgenommen wie alte Freunde genießen wir den ersten starken Kaffee in Neuseeland in gemütlicher Umgebung. Don wird schnell unruhig, denn er möchte uns noch seine Arbeiter
vorstellen. Auf dem Weg zu einem Nachbarn beschreibt er kurz sein Unternehmen. Er hat gestern nicht geflunkert und ist wirklich der Brötchengeber fast aller Schafscherer dieser Region. Er hat zeitweise über
dreißig dieser Spezialisten unter Vertrag und lässt sie im Auftrag der Farmer auf deren Grundstücken arbeiten. Wir treten in einen dämmerigen Stall ein. Der Boden glänzt wie gewachst, und auch alles andere
ist mit einer dünnen Schicht Lanolin der Schafwolle überzogen. Dieses Fett hält das Fell der Schafe trocken und wirkt nicht nur auf dem glänzenden Holzboden besser als jede andere Imprägnierung. Hinten in
einer Ecke sind die zur Schur bestimmten Tiere in einer Box zusammengepfercht. Zwei stämmige Maoris grüßen Don, der uns wieder als seine deutschen Freunde vorstellt. Beide verziehen keine Miene und gehen
sofort wieder an die Arbeit. Mit grober Gewalt wird das nächste Tier über den glatten Boden zum Arbeitsplatz gezerrt. Ein gekonnter Handgriff, und schon liegt das Schaf auf dem Rücken. Sekunden später ist
der Bauch bereits kahl. Wieder ein Griff, und das elektrische Rasiermesser findet seinen Weg durch das Rückenfell. Nach schätzungsweise zwei Minuten ist das Schaf nackt, der nächste Kunde bitte! Die Männer
arbeiten im Akkord. Da ist es nur zu gut verständlich, dass sie keine Zeit für ein paar neugierige Touristen haben. Don zeigt uns noch die Ballenpresse, mit der die Wolle nach der Sortierung in Säcke gepresst
wird, um dann verkauft zu werden. Wir verabschieden uns, denn Don hat noch einen Termin und auch wir wollen weiter. Bevor Don uns ziehen lässt, müssen wir ihm noch versprechen, aus Germany zu schreiben. Aber
das fällt uns als Dankeschön für den lehrreichen Vormittag wirklich nicht schwer. Im Nachhinein sind wir sehr froh, doch zu der Verabredung mit Don gekommen zu sein. Sind doch gerade diese unverhofften
Bekanntschaften mit den Einheimischen das "Salz in der Suppe" einer Reise. Sind später schon viele Erinnerungen an touristischen Highlights verblasst, erinnert man sich aber immer noch gerne an die
Geschichten, die das Zusammentreffen mit fremden Menschen schrieb.
Der Weg zurück zur Hauptstraße ist uns versperrt, denn eine Schafherde kommt direkt auf uns zu. Einige Hunde sind vollauf damit beschäftigt,
die Tiere zusammen zu halten, und bemerken uns zunächst nicht. Wir rollen langsam weiter, und voller Angst machen uns die Schafe Platz. So stehen wir plötzlich inmitten der Herde umgeben von hunderten
Wollknäueln. Langsam laufen sie weiter und lassen uns langsam hinter sich. Das Winken des Schäfers zum Abschied bedeutet wieder freie Fahrt für uns. Das eigenartige Geräusch der vielen Schafstimmen lässt
uns auch noch nicht los, als sich Abschiedsgedanken wieder mehr und mehr in unseren Köpfen breit machen. Die Stimmung sinkt weiter, als wir in Christchurch ankommen. Der wieder einsetzende Regen tut ein
Übriges dazu. Traurig sehen wir dem nahen Abschied von dieser friedlichen Traumwelt entgegen. Ein letzter Burger mit Chips, eine letzte Nacht im Zelt, dann ist es leider soweit. Wir stehen am Flughafen und
bereiten die Räder auf den Rückflug nach Deutschland vor. Vor dem Haupteingang steht ein Wegweiser mit den wichtigsten Flugzielen der Air New Zealand. Frankfurt 21000 km, London 20000 km, Sydney 2000 km.
Sydney, das wäre jetzt genau das richtige Ziel, um die Reise fortzusetzen. Doch statt dessen geht es nach Auckland zurück, wo der Jet nach Frankfurt auf uns wartet. Viele Erinnerungen kreisen nun um uns herum.
Um alle Eindrücke der Reise zu verarbeiten, bedarf es wohl noch einer längeren Zeitspanne. Jetzt überwiegen die Erinnerungen an tagelanges Radeln in der Einsamkeit, an sehr hilfsbereite und freundliche
Menschen, an dauernd wechselnde Traumlandschaften, und an das seltene Gefühl, nie wirklich Angst gehabt zu haben.
Wie abgemacht treffen wir in Auckland Doris und Werner wieder. Auch sie sind gesund angekommen. Gemeinsam schwärmen wir uns nun das Erlebte der
letzten vier Wochen seit unserer Trennung vor: "Habt ihr auch das... gesehen? Wart ihr auch dort am...?". Man wundert sich, wie verschieden doch die Eindrücke und Erlebnisse auf den fast identischen
Routen sein können. Noch im Flugzeug kommen wir gemeinsam zu dem Ergebnis, dass dieser Urlaub auf Neuseeland auf keinen Fall das letzte Rendezvous mit diesem Traumland war. Aotearoa, das Land der langen weißen
Wolke, hat vier neue Freunde gewonnen. In Frankfurt gelandet empfängt uns gleich die lärmende Hektik des Alltags. Das ungewohnte Geschiebe und Gedrängle macht uns nervös. Nach der Zollabfertigung haben wir
Mühe, die Räder durch die uns angaffende Menge der wartenden Leute zu schieben. Wo ist mein Bruder? Da hinten entdecke ich ihn mit seiner Frau. Plötzlich haben wir es eilig, zu ihnen zu kommen. Wie
Verschollene werden wir begrüßt. Und dann haben uns die Beiden noch etwas mitgebracht: KIWIS...
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