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Bretagne,  September 1998


Etappenplan:

Tag

 Strecke

HM

Kilometer

  1. Tag, Fr.

  Anfahrt nach Courtils

 

 

  2. Tag, Sa.

  Courtils - Rotheneuf

400 m

76 km

  3. Tag, So.

  Rotheneuf - Matignon

600 m

75 km

  4. Tag, Mo.

  Matignon - Binic

1000 m

93 km

  5. Tag, Di.

  Binic - Trevelern

800 m

85 km

  6. Tag, Mi.

  Trevelern - Locquirec

600 m

73 km

  7. Tag, Do.

  Locquirec - Brignogan Plage

700 m

84 km

  8. Tag, Fr.

  Brignogan Plage - Le Conquet

500 m

61 km

  9. Tag, Sa

  Le Conquet - Camaret

500 m

52 km

 10. Tag, So.

  Camaret - Poullan

1000 m

80 km

 11. Tag. Mo.

  Poullan - Quimper

600 m

91 km

 12. Tag, Di

  Quimper - Guidel Plage

800 m

83 km

 13. Tag, Mi.

  Guidel Plage - Quiberon

500 m

87 km

 14. Tag, Do.

  Quiberon - Theix

500 m

79 km

 15. Tag, Fr.

  Theix - St. Reine

400 m

63 km

 16. Tag, Sa.

  St. Reine - St. Florent

900 m

116 km

 17. Tag, So.

  St. Florent - Saumur

400 m

98 km

 18. Tag, Mo.

  Saumur - Ballan Mire

200 m

81 km

 19. Tag, Di.

  Ballan Mire - La Fléche

500 m

91 km

 20. Tag, Mi.

  La Fleche - Laval

600 m

71 km

 21. Tag, Do.

  Laval - Chatillon

700 m

62 km

 22. Tag, Fr.

  Chatillon - Mt. St. Michel

500 m

61 km

 

 Gesamhöhe / -strecke =7,6m/km

12.700 m

1662 km

Fotos :

Mont Saint Michel

Dinan

Nordküste

Cote Granit Rose

Locronan

Pointe du Raz

Vannes

Sturm an der Quiberon Halbinsel

Fougeres


Allgemeine Infos:    (Bitte quer ausdrucken)

Straßen, Verkehr:

Die Straßen waren vielfach ok, oft schmal und wenig befahren. Es war sehr wenig LKW-Schwerverkehr vorhanden und die Autos machten einen großen Bogen um uns. Man merkt, dass die Franzosen fanatische Rennradfans sind. Voll und laut wurde es nur im Einzugsbereich der wenigen großen Städte, die für Radfahrer kein Problem darstellen um hindurch zu fahren.

Land und Leute:

Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Die Landschaften sind besonders im Landesinneren schwach besiedelt und nahezu menschenleer. Auch an der Küste gibt es nur vereinzelt größere Städte. Es sind wenig wirklich flache Etappen vorhanden und es geht häufig auf und ab.  

Die Strände sind vielfach sehr schön und einsam, besonders an der steilen Nordküste aber oft schwer zugänglich.

Hunde sind im ganzen Gebiet sehr zurückhaltend und faul. Angebellt wird man nur von angeketteten oder eingesperrten Hunden. Wir hatten auf der ganzen Reise keine Probleme mit Hunden!

Das Wetter ist ab Frühsommer bis zum Herbstanfang für eine Radtour geeignet. Wir waren Anfang September unterwegs und hatten Maximaltemperaturen zwischen 18 und 27°C. Mit Regenschauern und einzelnen kalten Tagen muss immer gerechnet werden. Längere Regenperioden hatten wir nicht. Nachts kann es frisch werden, daher ist ein warmer Schlafsack für Camper erforderlich.

Verpflegung:

Überall kleine Läden für Selbstversorger, leckeres Baguette an jeder Ecke. Essengehen ist vergleichsweise teuer aber qualitativ gut.

Kein Problem ist die Trinkwasserversorgung. Wir haben uns überwiegend mit Leitungswasser versorgt und dabei keine Magen-/Darmprobleme bekommen.

Unterkunft:

In der Bretagne sind zahlreiche Campingplätze vorhanden (siehe z. B. ADAC/DCC-Campingführer). Im September waren viele Plätze schon sehr leer. Die Preise lagen nicht so hoch wie in Südeuropa (durchschnittlich 10€). Pensionen und Hotels sind an der Küste in reicher Zahl vorhanden, doch mit dem Zelt ist man aber flexibler und es ist viel preiswerter.

Bei Anreise mit dem Wagen kann man diesen unter Umständen auf dem ersten Campingplatz stehen lassen. Bei fehlenden Französischkenntnissen:

Können wir unseren Wagen hier für 3 Wochen parken? = Pouvons nous parquer notre voiture ici pour trois semaines?

Reisebericht:    (Bitte quer ausdrucken)

Reise durch die Vergangenheit in Frankreichs wildem Westen

Wie so oft lassen wir unseren Wagen in der sicheren Obhut eines Campingplatzes für die nächsten drei Wochen zurück. Vor uns liegt eine Radtour durch eine der wildesten Küstenregionen Frankreichs, die zudem mit unzähligen mittelalterlichen Städtchen aufwarten kann – die Bretagne.

Nur wenige Kilometer nach unserem Start in Courtils ist schon von weitem die erste große Sehenswürdigkeit der Reise zu sehen: Die Klosterinsel Mont Saint Michel liegt erhaben auf einem Felsen unweit des Atlantikufers. Eine gut ausgebaute Straße führt auf einem flachen Deich in weitem Bogen geradewegs darauf zu. Bei Flut ist die Anlage völlig von Wasser umgeben, während bei Ebbe weit und breit nur Sand zu sehen ist. Grund hierfür ist der ungeheuere Gezeitenunterschied, der an der Bretagneküste teilweise über 10m beträgt. Beim Näherkommen kann man erkennen, dass sich unterhalb der gigantischen Klosteranlagen noch mehrere alte Häuser befinden. Wir lassen die Räder am Eingangstor stehen und bewegen uns zu Fuß auf steilem mittelalterlichem Pflaster nach oben zur Kapelle. Unterwegs passieren wir viele Souvenirshops in uralten Gebäuden, die alles anbieten, was der Tourist normalerweise nicht benötigt. Von oben kann man schließlich einen herrlichen Blick auf die Anlage und die nahe Küste genießen, bevor es durch die Menschenmassen wieder hinunter geht. Beim Weiterfahren durch die Felder bieten sich noch vielfach ungemein fotogene Rückblicke auf die einzigartige Klosterfestung.

Die Etappe müssen wir bald wieder unterbrechen, denn schon ist St. Malo erreicht. Leider haben hier unsere Landsleute im 2. Weltkrieg wieder mal ganze Arbeit geleistet doch die Altstadt wurde wieder originalgetreu aufgebaut. Von außerhalb der Stadtmauer sieht die Bebauung aufgrund der schmucklosen Einheitsbebauung streng und abweisend aus. Besonders auffallend sind die vielen breiten Kamine auf den Schieferdächern. Die alte Hafenstadt hat aber noch eine gut erhaltene Stadtmauer und außerdem eine nette Innenstadt, so dass sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt.

Die Strecke ist nun sehr hügelig und anstrengend. Wieder sind es nur wenige Kilometer bis zu der nächsten herausragenden Sehenswürdigkeit der Bretagne: Dinan ist uralt und wirklich sehr gut erhalten. Auf dem Rad sind wir viel zu schnell und so schieben wir langsam durch die Stadt, die uns ins Mittelalter zurück versetzt. Die alten Gebäude sind überwiegend sehr gut erhaltene Fachwerkhäuser. Dicke, krumme Balken stützen windschiefe Fassaden und dunkle Sprossenfenster lassen nur wenig Licht in die Räume. Schattige Arkaden laden zum Flanieren ein und überall locken Restaurants, Straßencafés und Créperien mit verführerischen Düften zur Einkehr. Eine schmale steile Gasse führt hinunter zum Fluss Rance, über den eine alte Steinbrücke weiterführt. Nur schwer können wir uns wieder losreißen und zur Weiterfahrt animieren.

Tolle Steilküsten mit kleinen Buchten und das versteckt gelegene Fort La Latte lassen auf dem Weg zum Cap Frehel keine Langeweile aufkommen. Stark erodierte Klippen liegen tief unten im rauen Meer. Wir lassen die Räder stehen und umrunden den äußersten Zipfel zu Fuß auf atemberaubenden Pfaden über dem gähnenden Abgrund. Bald darauf verzaubert uns die sogenannte „Cote de Granit Rose“ mit unzähligen, von den Kräften des Meeres rundgeschliffenen rosa Granitfelsen. Kleine Häuser liegen manchmal so dazwischen, als wenn sie sich Schutz suchend anlehnen wollen. Als kleine Abwechslung zu der wilden Felsenküste liegen als Farbkontrast immer wieder üppig blühende Artischockenfelder am Straßenrand. Von weitem sehen die Blüten aus, wie blaue Riesenstrohblumen.

In St. Pol de Leon machen wir 5FF pro Person locker, und besteigen den 40m hohen Granitkirchturm, um die tolle Aussicht von oben zu genießen. Den Abend lassen wir dann in der wunderschönen, von großen Bollersteinen eingerahmten, weißen Sandbucht von Brignogan ausklingen. Bis Brest haben wir am nächsten Tag zum ersten Mal Regen, so dass wir gleich die Fähre nach Le Fret nehmen. Das war eine gute Entscheidung, denn auf der anderen Seite der Bucht kommt die Sonne wieder heraus. So können wir die nun folgende leicht wellige Landschaft genießen, die von Wald und Feldern bestimmt ist.

Locronan ist eine „must see“ Sehenswürdigkeit und so radeln wir von der Hauptstraße ein kurzes Stück bergauf in Richtung „Zentrum“. Kaum sind wir dort angelangt, fühlen wir uns wieder einige hundert Jahre zurückversetzt. Alte Granithäuser versammeln sich um den kleinen Brunnen und eine dunkle trutzige Kirche beherrscht das Ende des Platzes. Viele kleine Artisans sind in den Häusern untergebracht, so dass man auch mal einen Blick in das Innere werfen kann. Nach diesem beeindruckenden Abstecher in die Vergangenheit rumpeln wir quer über den Marktplatz auf holperigem Kopfsteinpflaster aus dem Ort heraus. Nur wenig später folgen wir dem Weg hinunter zur Baie des Trespasses wo uns riesige Wellen und ein toller Strand erwarten. Nun sind es nur noch wenige Minuten bis zum westlichsten Punkt Frankreichs, dem Pte du Raz. Wie ein langer Finger streckt sich die felsige zerklüftete Halbinsel in die wilden Strömungen des Atlantiks. Auf befestigten Wegen können wir auf einem Rundgang fast bis zum äußersten Zipfel gelangen. Ein kleiner Leuchtturm steht ein wenig weiter fotogen auf einem Felsen im aufgewühlten, weiß schäumenden Meer. Starker Wind umtost uns und so sind wir nicht verwundert, dass hier kaum ein Pflänzchen den Unbilden des Wetters trotzen kann. Für uns ist das Kap das schönste der ganzen Bretagne!

Ab jetzt geht es entlang der Südküste nach Osten. Nach dem außerordentlichen Naturerlebnis der zurückliegenden Kilometer freuen wir uns schon auf die nächste alte Stadt. Ähnlich wie Dinan hat auch Quimper eine alte Innenstadt mit vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern zu bieten, welche die Fußgängerzone flankieren. Alles wird jedoch überragt von der großen Kathedrale mit ihren reich verzierten Türmen. Doch nicht nur das Städtchen hat viel altes zu bieten. Auch der nahe liegende Campingplatz L`Orangerie de Lannion ist, trotz vieler guter Anlagen in der Bretagne, ungewöhnlich schön gelegen und gut ausgestattet. Durch einen alten Schlosspark radeln wir zu dem hervorragenden Platz, der in alten restaurierten Gebäuden eingerichtet ist. Das stilvolle Restaurant verführt uns zu einem leckeren Abendmahl und einer Flasche Rotwein, bevor wir müde in unser, unter alten Bäumen stehendes Zelt kriechen.

Nun sind die Straßen mehr und mehr mit großen weißen Namen bemalt, welche die Fahrer der letzten Tour de France zu noch mehr Leistung motivieren sollten. Der wunderschöne Wald Foret de Carnoet bietet nochmals eine willkommene landschaftliche Abwechslung  und schützt uns ein wenig vor dem stetig anschwellenden Sturm, bevor wir schwer kämpfend die Landzunge von Quiberon erreichten. Bis zur Spitze der Halbinsel sind es noch fast 14 km und zunächst müssen wir uns die lange gerade Straße noch mit vielen Autos teilen. Ein kurzer Abstecher zum Grand Plage ermöglicht uns einen spektakulären Blick auf wahnsinnige Wellenberge, die laut krachend am Strand brechen, um ihn dann weiß schäumend zu überfluten. Da der Sturm heute noch mit einer Springflut zusammenkommt wird das Meer zu einer furchteinflößenden, grauweißen brodelnden Masse. In Portivy knallen die Wellen schon über die Mole in das kleine Hafenbecken, in dem die kleinen Boote bedenklich schaukeln. Sogar die Straßen werden schon von den wilden Wassermassen erreicht. Hunderte von Menschen haben sich hier versammelt, um der gigantischen Springflut zuzuschauen. Wir können uns kaum losreißen, aber es wird langsam dunkel und noch liegen einige Kilometer vor uns. Eine kaum befahrene Straße führt durch herrliche Dünenlandschaften nahe an der windgepeitschten Küste entlang und die Gischt spritzt haushoch über die Abbruchkante hinaus. An einigen Stellen regnet kübelweise Meerwasser auf uns herab und immer wieder beeindruckt uns die fantastische Szenerie entlang dieser unvergleichlichen Küstenlinie. Doch sind wir trotzdem froh, als wir endlich den geschützten Campingplatz erreichen.

In den nächsten Tagen nähern wir uns der Loire und damit dem Reigen der schönsten Schlösser Frankreichs. Der Fluss ist wunderschön naturbelassen und zumindest im Mündungsgebiet nicht schiffbar. Anfangs rollen wir noch direkt am Ufer entlang und mit Saumur zeigt sich schon bald das erste von vielen mehr oder weniger sehenswerten Schlossanlagen. Da wir uns die Loireschlösser auf einer eigenen Reise ansehen wollen, belassen wir es bei einer Kurzbesichtigung der einzigartigen Anlagen von Ussé und Villandry. Wir biegen nun ab in Richtung Norden, denn die Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Bei dauerndem Auf und Ab erreichen wir weitere historische Städte, wie Laval und das wunderschöne Vitré. Kurz vor dem Ende der Reise überrascht uns das kleine Städtchen Fougères noch einmal mit einer mittelalterlichen Bilderbuchfestung und vielen Wehrtürmen, die umrahmt wird von einer ungemein sehenswerten, ebenfalls turmbewehrten Stadtmauer. Alles ist so gut erhalten, dass man nicht glauben mag, dass schon Jahrhunderte seit dem Bau vergangen sind.

Ein bisschen Wehmut überkommt uns, als wir die letzten Kilometer bis zu unserem Auto zurücklegen. Wir haben eine sehr abwechslungsreiche Route bewältigt, die uns entlang atemberaubenden Küstenlinien, vorbei an tollen Stränden und durch einsame Landschaften zu unzähligen gut erhaltenen historischen Städtchen geführt hat. Dass dabei auch die kulinarische Seite des Radlalltags nicht zu kurz gekommen ist, hat die Tour zusätzlich aufgewertet. Für uns hat sich während der letzten drei Wochen bewahrheitet, dass die Bretagne eines der schönsten Radelgebiete Europas ist.