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Kurztrip vom Ruhrgebiet zur holländischen Nordsee
Für das lange Wochenende über Christi Himmelfahrt ist schönes Wetter angesagt und so beschlossen wir, unsere Nachbarn in Ihrem Ferienhaus
an der Nordsee zu besuchen. Diesmal verzichten wir wieder auf das Auto und wollen statt dessen mit unseren Rennern die 310km bis dorthin unter die Räder nehmen. Wir geben den beiden einen Teil unserer Wäsche
mit, so dass wir ohne Gepäcktaschen nur mit einem kleinen Rucksack losfahren können.
Schon nach wenigen Kilometern lassen wir das Ruhrgebiet bei strahlendem Sonnenschein hinter uns und tauchen ein in die wunderschönen ruhigen
Parklandschaften des südlichen Münsterlands, die bekanntermaßen zu den schönsten Radelgebieten Deutschlands gehören. In Marienthal können wir dem schattigen Biergarten an der Issel nicht widerstehen und
tanken erst einmal einen halben Liter Apfelschorle nach. Langsam kommen wir dem Niederrhein näher und bald schon lassen wir das ehemalige Kernkraftwerk Kalkar hinter uns, das zu einem Freizeit- und Sportzentrum
ausgebaut wurde. Unser Übernachtungsführer „Bett&Bike“ sagt aus, dass in Kranenburg ein fahrradfreundlicher Gasthof liegt, der eine relativ preiswerte Übernachtung ermöglicht. Dort stellen
wir die Räder in einem Schuppen ab und schauen erst einmal nach, was die Küche zu bieten hat. Schmalzbrote, gegrilltes Schweinerückensteak und zwei Weizenbier sind genau das, was wir für den Abschluss des
schönen Tages brauchen.
Nach reichhaltigem Frühstück sind wir schon um 7Uhr auf der Strasse, da heute über 200 Kilometer abzuspulen sind. Ein paar Minuten später
reisen wir über die grüne Grenze in die Niederlande ein. Auf wunderschönen flachen Deichstraßen rollen wir bequem an der Waal und später am Neder-Rijn direkt in Ufernähe entlang. Gegen unsere leichten
Rennräder haben die schweren Lastkähne keine Chance und so lassen wir alle Schiffe locker hinter uns. Die Strassen sind fast durchgehend mit breiten Radwegen versehen, die ein entspanntes und sicheres
Fortkommen garantieren. Zudem sind die Radwege ähnlich dem Straßennetz vorbildlich mit Stadtwegweisungen und Entfernungsangaben ausgeschildert, so dass unsere Straßenkarte kaum notwendig wurde.
In Utrecht stärken wir uns erst einmal, bevor wir dem Höhepunkt der heutigen Etappe entgegenrollen: Der alte Handelsweg von Utrecht nach
Amsterdam. Abseits der Hauptstraße führt diese sehr sehenswerte Strecke auf einem schmalen Pfad direkt am Flüsschen Vecht entlang. Immer wieder trennen schmale Kanäle parkähnliche, supergepflegte
Grundstücke voneinander ab auf denen etliche Schlösschen, Herrenhäuser und Traumvillen stehen. Man kann sich leicht vorstellen, dass hier wohl nur die reichsten der Reichen wohnten und wohnen. Viel zu schnell
erreichen wir Amsterdam. Die Fahrradschilder führen uns sicher durch die Vororte der Stadt, am Ajax-Stadion vorbei, bis in die Innenstadt. Da wir das traumhafte Amsterdam sehr gut kennen, fahren wir gleich zur
hinter dem Hauptbahnhof liegenden Fährstation. Das kostenlose Boot bringt uns schnell über den Nordzeekanaal. Eine letzte Rast mit leckeren Apfel-Pannekoeken gibt uns die Kraft für die letzten Kilometer bis
nach Dierkshorn, wo die Nachbarn schon mit einem gut durchgeglühten Grill und kaltem Bier auf uns warten. Trotz der vielen Kilometer die wir heute hinter uns gebracht haben, wird es noch ein langer schöner
Abend.
Ausschlafen und ausgiebig frühstücken steht am nächsten Morgen auf dem Programm. Das anhaltend gute Wetter eignet sich ideal, einen kurzen
gemütlichen Trip mit Annelie und Klaus nach Camperduin ans Meer zu unternehmen. Dort genießen wir die hervorragende holländische Küche in Form von leckeren Pommes und Frikandels, bevor wir durch die
einzigartige Dünenlandschaft auf autofreien Wegen zum Ausflugslokal Bärenkuhle gelangen. Das Gasthaus liegt mitten in einem kleinen schattigen Wald, ist hier weit und breit bekannt und deshalb auch gut
besucht. Die Pommes hat durstig gemacht, und so müssen wir unbedingt ein kleines Heinecken vernichten. Anschließend rollen wir langsam wieder zurück zum Bungalow, wo der Grill nicht lange kalt bleibt....
Ein kurzer Abschied und der Rückweg ist angetreten. Die historische Hafenstadt Enkhuizen mit den alten Speichern und Handelshäusern lassen wir
uns nicht entgehen. Gott sei Dank hat der Wind gedreht und unterstützt die Weiterfahrt in Richtung Osten. Das erfreut uns besonders, da nun eine fast 30km lange Fahrt quer über das Isselmeer ansteht, die wir
auf dem windausgesetzten Markerwaarddijk zurücklegen. Auf der Klappbrücke am Beginn des Deichs fällt uns auf, dass alle Autos vorne mit dickem Schmutz verschmiert sind. Jugendliche mit Wassereimern und
Schwämmen bieten sich an, die Scheiben schnell zu reinigen und uns schwant schon böses. Woher kommt der Dreck, und was ist das? Und was ist das für eine endlos schwarze Wolke über der Deichkrone? Bei der
Weiterfahrt werden alle Fragen auf einmal beantwortet. Es sind Millionen frisch geschlüpfter Libellen, die kilometerlang als dichter schwarzer Nebel über der Deichkrone dahersummen. Hunderte von Metern müssen
wir direkt durch die Wolke fahren, ohne eine Chance zur Flucht zu haben. Unzählige der noch zarten Geschöpfe zerplatzen auf unserem Körper und den Rädern. Sprechen ist unmöglich, und schon bald sehen wir
aus wie die Ferkel. Gott sei Dank schwenkt der Radweg bald an den Fuß des Deiches, so dass wir nun von den Tieren verschont werden.
Bei Wapenveld erreichen wir später die Deichkrone der Ijssel, auf der wir bis nach Deventer die wunderschöne Landschaft genießen, die hier
normalerweise von Land- und Viehwirtschaft geprägt wird. Nur dieses Jahr sehen wir keine Tiere auf den Weiden, da alle wegen Maul- und Klauenseuche der Notschlachtung zum Opfer gefallen sind. So sieht es schon
gespenstisch aus, ganz ohne Schafe und Kühe. Die Höfe sind mit Flatterband abgesperrt und für Besucher nicht zugänglich.
Das Wetter ist nicht mehr ganz so schön, als wir am nächsten Tag die herrliche Wald- und Heidelandschaft des Nationalparks De Hooge Veluwe
erreichen, doch wenigstens regnet es nicht. Auf vielen Kilometern Radweg kann man hier einen ganzen Tag verbringen, aber dafür fehlt uns die Zeit. Die nehmen wir uns aber etwas später, um über Rozendaal einen
Abstecher in die niederländischen Berge zu unternehmen. Durch einen richtigen Märchenwald fahren wir stetig bergauf, bis der Höhenmesser auf der Bergkuppe 110m anzeigt! Nun können wir die mühsam erklommene
Höhe in rasender Abfahrt auf der kurvenreichen Straße wieder hinter uns lassen. Es ist schon später Nachmittag als wir in unsere Lieblingsstadt Winterswijk einlaufen, die wir schon von unzähligen
sommerlichen Tagestouren her kennen. Immer wieder ist es schön, durch die Fußgängerzone zu bummeln und die typischen Hollandhäuser zu bewundern. In einem kleinen Restaurant am Marktplatz stärken wir uns im
Schatten der Kirche ein letztes Mal, bevor es im Endspurt zurück nach Hause geht.
Wie schon so oft sind wir auch diesmal begeistert gewesen von der Schönheit unseres oft verkannten Nachbarlandes, das man auf einem fantastisch
ausgebauten Radwegenetz gefahrlos erkunden kann. Hier hat sich wieder einmal das alte Sprichwort „Warum denn in die Ferne schweifen ...“ bewahrheitet!
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